Darum eskalieren unsere Hunde in Hundebegegnungen

und du bist Schuld daran, wenn du die Strategie deines Hundes nicht erkennst!

Zunächst einmal der Hinweis: ich habe schon einmal einen Beitrag zu den Ursachen für komplizierte Hundebegegnungen geschrieben. Darin habe ich unter anderem auch erklärt, warum es völlig normal ist, dass viele Hunde Stress bei Hundebegegnungen haben. Schau gern erst einmal hier hinein. Aber komm dann unbedingt zurück und erfahre in diesem Beitrag welche Strategien unsere Hunde entwickeln, um mit stressigen Hundebegegnungen umzugehen.

Stell dir folgendes Szenario vor:

Du gehst mit deinem Hund spazieren. Ihr seid ganz gemütlich unterwegs und plötzlich taucht ein anderes Mensch Hund Team auf der Bildfläche auf. Du denkst naja uncool aber gehst weiter geradewegs auf den anderen Hund zu. Und genau da fängt das Problem schon an. Geradewegs auf einen anderen Hund zugehen ist eine total unnatürliches Verhalten unserer Hunde. Sie bekommen oftmals Stress durch unser schnelles gerade aufeinander zugehen.

Um diesen Stress zu kompensieren, um mit dieser stressigen Situation umzugehen und um die Hundebegegnung zu deeskalieren haben unsere Hunde die verschiedensten Strategien.

Lies jetzt einmal weiter und überlege, welche Strategie dein Hund in einer Hundebegegnung zeigt!

Die meisten Hunde bleiben, wenn sie einen anderen Hund erblicken, erst einmal stehen. Sie bleiben stehen, um die Situation, die Stimmung und eine potentielle Gefahr abzuchecken. Vielen Hunde wollen, wenn sie einen anderen Hund sehen, nicht weitergehen. Nicht weiter auf den anderen Hund zugehen. Nicht weiter in die Situation gehen. Sie wenden ihren Blick immer wieder vom anderen Hund ab, bleiben wie versteinert stehen, sind von der Körpersprache eher nach hinten gerichtet. Man sieht dieses Verhalten oft bei extrem unsicheren Hunden oder auch bei Welpen. Alles im Hund spricht dafür: „ich geh erst einmal nicht weiter in die gruselige Situation und warte ab!“

Aber Achtung: Das beschriebene Stehenbleiben und Blick abwenden ist nicht zu vergleichen mit dem Stehenbleiben und anvisieren des anderen Hundes. Manche Hunde legen sich hin, fixieren den anderen Hund mit ihrem Blick und wollen auch nicht weitergehen. Sie wollen ihren Blick nicht abwenden und an einem bestimmten Punkt schießen sie los. Das ist hier nicht gemeint! Das ist ein anderes Thema und auf keinen Fall freundlich oder deeskalierend.

Ich mein hier wirklich ein abwendendes Verhalten, zurücknehmendes, unsicheres Verhalten.

Was machen wir Menschen?

Wir erkennen die Signale unseres Hundes oft nicht und sagen: „komm weiter“. Wir schleifen unseren unsicheren Hund noch schneller in die überfordernde Hundebegegnung hinein. Wir wollen ja weitergehen. Damit nehmen wir aber unserem Hund die Möglichkeit die Situation zu deeskalieren. Wir zwingen in dazu schneller in die Situation zu gehen.

Stehen bleiben, sich abwenden, den Blick abwenden sind alles freundliche und gute Verhaltensweisen unserer Hunde. Wenn wir ihn aber dazu zwingen weiterzulaufen überfordern wir ihn nicht nur. Wir bringen ihm auch bei, dass dieses eigentlich freundliche Verhalten nicht erwünscht ist. Unser Hund lernt: Diese Strategie führt nicht zur Lockerung der Situation. Dieses Verhalten lohnt sich nicht.

Einige Hunde machen genau dann, wenn ein anderer Hund auftaucht, wenn es stressig wird, Dinge, die gerade absolut nicht in die Situation passen. Sie schnüffeln auf einmal wie verrückt auf dem Boden oder schnappen sich einen Stock, oder wollen genau jetzt unbedingt Gras fressen. Sie tun dies aber nicht ohne Hintergedanken. Sie tun dies um die Hundebegegnung aufzulockern. Um dem Gegenüber zu vermitteln: „ich bin freundlich!“

Was machen wir Menschen? Erstmal erkennen wir den Zusammenhang oft nicht. Und dann wollen wir ja eigentlich ordentlich an dem anderen Hund vorbei gehen. Deshalb sagen wir, „lass das“. Wir nehmen den Stock weg, wir ziehen den Hund von seiner Schnüffelstelle weiter. Wir verbieten unserem Hund aber damit auch diese Art und Weise der Deeskalation zu zeigen. Unser Hund lernt: Diese Strategie führt nicht zur Lockerung der Situation. Dieses Verhalten lohnt sich nicht.

Manche Hunde, würden im Normalfall bei der Begegnung mit anderen Hunden flüchten. Aber da gibt es in unserem Alltag ein großes Problem. Unsere Hunde sind angeleint und das wissen sie auch. Sie wissen, dass sie an der Leine fest sind und im Notfall gar nicht flüchten könnten. Hinzu kommt, dass du vielleicht durch weitergehen deinen Hund noch mehr in die Situation zwingst. Er hat ja keine andere Chance wegzugehen oder zu flüchten, wenn er an der Leine ist. Das heißt, wir nehmen ihm auch hier diese Möglichkeit. Dein Hund weiß: Flucht ist keine Variante.

Wenn wir das alles einschränken und verbieten, wenn wir die zugegebenen oftmals kleinen Anzeichen unserer Hunde nicht erkennen, lernen sie, dass deeskalierendes Verhalten nicht lohnenswert ist. Stehen bleiben wird unterbunden, Quatsch machen um die Situation aufzulockern wird unterbunden, Flucht ist nicht möglich. Ja, dann bleibt ihnen ja nur noch der Angriff. Dann gehen Hunde tendenziell schneller mal bellend und eskalierend nach vorne, weil ihnen alle anderen, deeskalierenden Möglichkeit genommen wurden.

 

Wichtig zu wissen:

Grundsätzlich ist es total natürlich, dass unsere Hunde selten als erste Wahl den Angriff wählen. Sie versuchen Situationen immer erst einmal zu deeskalieren und aufzulockern. Schon allein, um sich selbst zu schützen. Stell dir mal vor unsere Hunde würden bei jeder Begegnung immer gleich auf Angriff gehen. Das würden sie nicht lange überleben. In der Natur ist es so vorgesehen, dass der Angriff eigentlich die letzte Wahl ist.

Das Problem an der Sache:

Unsere Hunde werden durch unser Verhalten und unseren Alltag extrem schnell umgepolt. Wenn du öfters deinem Hund die deeskalierenden Maßnahmen, stehen bleiben, Quatsch machen und flüchten verweigert hast und er zudem noch die Erfahrung macht, dass der Angriff zum Erfolg führt – Erfolg ist in dieser Situation, dass man sich schnell vom anderen Hund entfernt – wird er in kommenden ähnlichen Situationen nicht mehr so viel nachdenken, sondern schneller die Variante Angriff wählen.

Deswegen kann ich nur an dich appellieren: Beobachte deinen Hund genau. Nimm die kleinen Anzeichen deines Hundes wahr und ernst. Wenn er einen Bogen laufen möchte, lass das zu. Wenn er schnüffeln möchte, lass das zu. Wenn er stehen bleiben möchte, lass das zu! Geh langsam in Hundebegegnungen hinein. Es ist nicht schlimm, wenn du erst einmal mehr Abstand brauchst.

Wenn dein Hund dennoch auf Angriff gehen will, block es ab! Gib ihm eine Alternative und analysiere genau, warum er jetzt den Angriff gewählt hat. Welches Gefühl hat ihn dazu veranlasst?

Wenn du jetzt immer noch nicht weißt, welche Strategie dein Hund zeigt, dann lass dich doch mal bei einer typischen Hundebegegnung filmen. Schau es dir in Ruhe an und beobachte deinen Hund genau. Achte auf seine Körpersprache, auf die Reaktion, wenn du oder der andere Hund agiert.

Erkennst du immer noch nicht, was die Ursache dafür ist, dass es immer noch nicht klappt, dann lass dich unbedingt beraten!

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