Du fragst dich oft, warum dein Hund innerhalb von Sekunden von 0 auf 100 schießt? Warum er so oft so aufgeregt ist? Warum er nicht einfach mal locker, fluffig, leicht und entspannt sein kann?
Du hast schon alles ausprobiert, aber du bist jetzt echt ratlos?
Die schlechte Nachricht zuerst: Warum dein Hund so schnell hochfährt, kann total viele Ursachen haben. Es ist nicht immer nur ein einziger Punkt. Du darfst nicht nur die eine Situation in eurem Alltag betrachten. Du kannst nicht nur an einer Stellschraube drehen und erwarten, dass plötzlich alles entspannt ist.
Ich verrate dir jetzt gleich, woran es liegen könnte, dass das Erregungslevel deines Hundes immer oben ist:
Schau auf euch und euren Alltag einmal aus der Vogelperspektive. Ganz neutral. Geh die folgenden Punkte einfach mal ganz selbstreflektiert für dich und deine Fellschnute durch. Vielleicht findest du ein paar Ansatzpunkte. Ein paar AHA Momente und auch ein paar Ideen, wie du kleine Veränderungen in euren Alltag bringen kannst. Damit die Zukunft etwas entspannter aussieht.
Also lass uns loslegen:
Du kennst es vielleicht selbst. Wenn du nicht weißt, was du zuerst machen sollst, wenn du einen Konflikt hast, dann geht dein Energielevel hoch.
Ein einfaches Beispiel: Du hast einen inneren Konflikt, du weißt nicht, ob du zuerst das Nutellabrötchen, oder doch lieber das Marmeladenbrötchen essen sollst. Du bekommst ein bisschen Stress, überlegst hin und her und das Ergebnis ist ein innerer Konflikt. (Ich hoffe ich bin nicht der einzige Mensch mit solchen Problemen)
KOMMUNIKATION
Ok, ok. Ich gebe dir ein Beispiel aus dem Hundeleben.
Wenn dein Hund deine Sprache nicht versteht, wenn du die Sprache deines Hundes nicht verstehst, wenn eure Kommunikation nicht optimal verläuft, dann entstehen enorm schnell Konflikte. Und Konflikte, sind sie auch nur mini klein, erhöhen das Erregungslevel.
Bsp.: Du willst deinen Hund anleinen und beugst dich über ihn drüber. Du bist ganz freundlich aber dein Hund fühlt sich durch das darüber beugen bedroht. Er weicht dir aus. Du gehst nochmal auf ihn zu, sagst vielleicht noch ein strenges “Hey komm her!”. Er fühlt sich weiter bedroht. Ihr seid blitzschnell im Konflikt. Dein Energielevel und das deines Hundes gehen hoch.
Fazit: Lerne die Sprache und vor allem die Körpersprache deines Hundes kennen, beachte sie und passe deine (Körper-)Sprache an! Damit ihr weniger in Konflikte geratet!
BEDÜRFNISSE
Genauso wie wir, haben unsere Hunde extrem viele Bedürfnisse. Angefangen mit den Grundbedürfnissen, wie Schlafen, Futtern, Bewegung und Auslastung über die Sicherheitsbedürfnisse, hin zu den sozialen Bedürfnissen, wie Kontakt zu Artgenossen und zur Familie. Daraufgesetzt kommen noch die emotionalen Bedürfnisse, wie Lob und Anerkennung und zu guter Letzt das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Eine ganze Litanei an Dingen, auf die du als verantwortlicher Hundebesitzer achten solltest. Total viele Bedürfnisse, die du im besten Falle erkennst und stillst!
Manche Dinge sind allerdings in unserem heutigen Leben nicht möglich.
Bsp.: Nehmen wir mal einen gesunden Rüden in der besten Zeit seines Lebens her. Im Junghundealter. Es ist vollkommen natürlich, dass er einen Fortpflanzungstrieb hat. Diesen können und dürfen allerdings die wenigsten Hunde ausleben. Was entsteht? Ein Konflikt! Und dieser bringt ein erhöhtes Erregungslevel mit sich, wenn das junge Pupertier gern das Pippi von der letzten läufigen Hündin aufschlappern würde, aber du sagst: los weiter geht´s! Was geschieht mit dem potenten Rüden? Er ist gestresst!
Fazit: Versuche, die Bedürfnisse deines Hundes zu erkennen und zumindest, soweit es möglich ist, halbwegs zu erfüllen.
UNTERDRRÜCKTE HUNDEPROBLEME
Dein Hund pöbelt. Du unterbindest das! Aber hast du dich schonmal gefragt, was die Ursache ist? Warum dein Hund motzt?
Wenn du Problemverhalten immer nur unterdrückst, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen und dort anzusetzen, werdet ihr immer im Konflikt bleiben.
Dein Hund tut Dinge immer, weil ein Gefühl dahinter steckt. Wenn du dieses Gefühl nicht beachtest, sondern immer nur sagst: “Lass das!” Wenn du deinem Hund keine alternative Handlungsstrategie aufzeigst. Wenn du Hilfsmittel benutzt, damit dein Hund ein unerwünschtes Verhalten nicht mehr zeigt, dann hat dein Hund weiterhin einen inneren Konflikt. Dann wird immer wieder das Energielevel hochgehen, wenn ihr in diesen Konflikt geratet.
Bsp.: Dein Hund ist unsicher in Hundebegegnungen und hat es sich zur Aufgabe gemacht: “Lieber Angriff, bevor jemand merkt, dass ich unsicher bin!” Du unterbrichst das Losspringen und Loskläffen mit Leinenruck, Geschreih oder Wasserspritzen. Dann weiß dein Hund, dass das nach vorne gehen, blöd war. Er weiß aber noch nicht, was er stattdessen tun soll. Er wird durch dieses Unterbrechen nicht plötzlich sicherer anderen Hunden gegenüber. Das Gefühl bleibt.
Fazit: Setz an der Ursache für Probleme an. Nicht nur am Symptom. Erkenne die Gefühle deines Hundes und zeig ihm Lösungsmöglichkeiten auf. Sag ihm, was richtig und was falsch ist.
Egal ob Probleme in der Kommunikation zwischen dir und deinem Hund, nicht erkannte und unerfüllte Bedürfnisse oder das Nichterkennen von Ursachen und das Arbeiten an Symptomen bei Fehlverhalten. All diese Dinge lösen Konflikte aus und diese wiederum steigern das Energielevel. Häufen sich diese Fälle, wird die Geduldsschnur deines Hundes immer kürzer und kürzer.
Neben den bereits erklärten Konflikten sind auch Erwartungshaltungen deines Hundes und damit einhergehender Frust, wenn eine Erwartungshaltung nicht erfüllt wird, eine große Ursache für Aufregung und Explosivität.
RITUALE
Hast du mit deinem Hund Rituale? Wahrscheinlich ja. Diese hat jeder! Und diese sind Segen und Fluch gleichzeitig.
Gerade unsichere Hunde fühlen sich sehr sicher, wenn der Alltag immer gleich abläuft. Oder hibbelige Hunde haben dann etwas woran sie sich orientieren können. In einem ritualisiertem Alltag passiert nix Unerwartetes und das macht das Leben grundsätzlich einfacher.
Aber wehe es läuft dann mal anders. Dann bekommen ritualisierte Hunde und ihre Menschen Stress.
Bsp.: Du fütterst deinen Hund immer zur gleichen Zeit, immer wenn ihr vom Spaziergang nach Hause kommt. Er weiß genau: Jetzt gibt es Futter. Heute hast du aber Stress, musst schnell wieder los, vergisst deinen Hund zu füttern und zurück bleibt ein extrem gefrusteter, gestresster und aufgeregter Hund, dessen Erwartungshaltung nicht erfüllt wurde.
Fazit: Finde ein gutes Mittelmaß an Ritualen. Gewisse Rituale, gespickt mit einem abwechslungsreichen Alltag. Da können sich unsere Hunde an etwas festhalten, gleichzeitig werden sie in einem guten Maße an neue Situationen herangeführt.
ERFAHRUNGEN
Natürlich leben unsere Hunde im Hier und Jetzt. Aber ihre Erfahrungen prägen ihren Charakter. Besonders die Erfahrungen, die unser Hund in den ersten 20 Lebenswochen erfährt, prägten den Charakter des Hundes. Wenn sie immer wieder die Erfahrung machen, dass eine Situation immer gleich abläuft, dann generalisieren sie und erwarten in ähnlichen Situationen ähnliche Abläufe.
Bsp.: Du gehst mit deinem Hund immer an einen Ort in den Park, weil da viele andere Hunde zum “Spielen und Toben” sind. Dein Hund macht die Erfahrung, dass dieser Ort besonders toll und aufregend ist. Nach ein Paar Monaten möchtest du allerdings etwas ändern. Du gehst du mit deinem Hund wieder an diesen Ort. Aber heute darf er nicht rumflitzen. Heute soll er mal neben dir sitzen bleiben. Das wird ihm natürlich richtig schwer fallen, denn er hatte ja bereits andere Erfahrungen mit diesem Ort verknüpft. Es kommt Frust auf, der sich in Fietschen, Jaulen und Bellen äußert.
Fazit: Schau, dass dein Hund immer andere Erfahrungen macht. Wenn du immer etwas anders machst, baut sich keine Erwartungshaltung auf und somit auch kein Frust, wenn es dann anders läuft.
PLÖTZLICHES BEENDEN VON TOLLEN DINGEN
Vielleicht bist du Mama und kennst folgende Situation: Dein Kind sitzt vor dem Fernseher. Du hast etwas gekocht und gehst hin, schaltest den Fernseher aus, weil ihr ja jetzt essen wollt. Und mit Drücken des Ausschaltknopfes eskaliert dein Kind vollkommen. Warum ich dir das Beispiel gebe? Weil es bei unseren Hunden nicht anders ist.
Wenn du gerade etwas Tolles mit deinem Hund machst. Etwas bei dem sein Erregungslevel ein bisschen gesteigert ist, etwas was ihm wirklich Freude bereitet. Und plötzlich beendest du aus heiterem Himmel das Spiel. Dann kann das dein Hund nicht verstehen! Er bekommt Frust und ein erhöhtes Erregungslevel.
Bsp.: Du spielst mit deinem Hund und plötzlich fällt dir ein, dass du ja nochmal schnell los musst. Du schubst deinen Hund schnell in die Wohnung und machst los. Du erwartest von deinem Hund, von jetzt auf gleich, dass er von Aktion zu absoluter Ruhe umschaltet. Das kann er aber nicht!
Dein Hund bleibt in seiner Erregung stecken. Er kann sie nicht sofort abbauen, wenn du plötzlich etwas Tolles beendest, wenn plötzlich absolute Ruhe ist. Wahrscheinlich wird er protestieren. Weil er es einfach gerade nicht verstehen kann.
Fazit: Fahr tolle Dinge langsam herunter. Damit sich dein Hund darauf einstellen kann. Dann keine falsche Erwartungshaltung, es entsteht kein Frust.
Änderungen in Ritualen, in den Erfahrungen und damit verbundene nicht erfüllte Erwartungshaltungen, plötzliches Beenden von tollen Dingen. All das löst Frust aus. Frust muss dein Hund erst einmal ertragen lernen. Zu viel Frust lässt das Fass oftmals zum Überlaufen bringen.
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