Freund oder Feind`- Wie Hundekontakt aussehen sollte 

Hunde sind soziale Tiere. Das wissen wir. Wir Menschen können eine Bezugsperson sein, aber brauchen sie auch Hundekontakte? Und wenn ja. Wie sollte dieser Kontakt am besten aussehen?

Dass Welpen Kontakt zu Artgenossen brauchen, damit sie die Kommunikation unter Hunden überhaupt erst einmal lernen, steht außer Frage. Welpen brauchen ältere, souveräne und ausgeglichene Hunde um zu lernen wie weit sie gehen dürfen und wie man sich Artgenossen gegenüber verhält. Sie brauchen andere Hunde, die ihnen Grenzen aufzeigen. Das tut ihnen gut. Sie lernen mit gutem Hundekontakt fürs Leben. Vorausgesetzt der lehrende Hund kann vernünftig kommunizieren.

Jetzt ist es ja oft so, dass frische gebackene Welpenbesitzer ihren Hund gern mit anderen Hunden toben und tollen lassen. Sie suchen gezielt nach Welpenspielgruppen, damit der kleine Racker auch mit Artgenossen spielen kann. Meine Meinung: Welpen brauchen keine anderen Hunde um wie Irre zu raufen und zu rangeln. Sie verbinden mit anderen Hunden, wenn der Hundekontakt immer total wuselig ist, Aufregung, Aktion und Stress (egal ob positiv oder negativ). Und irgendwann hast du einen Junghund an der Leine, der bei Sichtung eines Artgenossen total hochdreht, weil er ja gelernt hat „Artgenosse = Action“. Das ist dann seine Erwartungshaltung. Geformt aus den Erfahrungen, die dein Welpe gemacht hat.

Das heißt: Unsere Welpen brauchen gute Hundekontakte. Wie diese aussehen, dazu später mehr.

Doch wie sieht es bei älteren Hunden aus? Brauchen sie unbedingt Sozialkontakte?

Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, denn jeder ältere Hund hat natürlich schon einen ausgereiften Charakter. Er hat seine Erfahrungen gemacht und seine persönliche Einstellung zu anderen Hunden.

🩶 Es gibt Hunde, denen tut es einfach gut mit fremden Hunden oder Hundekumpels zu agieren. Sie können gut kommunizieren. Sie lernen voneinander. Sie erleben gemeinsam Abenteuer.

Ja, dann ist Hundekontakt definitiv gut.

 

🩶 Es gibt aber auch Hunde, die sind beim Kontakt zu Artgenossen übermäßig aufgeregt, übermäßig triebgesteuert, übermäßig interessiert.

Jaein. Hundekontakt ist in diesem Fall nicht immer gut. Nämlich dann nicht, wenn diese Eigenschaften im Sozialkontakt noch mehr gefördert werden.

Hast du einen Fall von Hibbelhund oder triebgesteuerten Vierbeiner kann Hundekontakt aber auch förderlich sein. Wenn dein Hund durch sein Gegenüber und eine vernünftige Kommunikation vielleicht auch lernt, dass übermäßige Aufgeregtheit und Triebsteuerung nicht angebracht oder notwendig ist.

 

🩶 Es gibt auch Hunde, die sind von fremden Hunden total überfordert und übermäßig gestresst.

Ist hier Hundekontakt zu empfehlen? Jaein. Ist dein Hund von der schüchternen oder ängstlichen Sorte, dann ist Hundekontakt nicht immer gut. Nämlich dann nicht, wenn dein Hund durch den Kontakt zu Artgenossen noch mehr Angst, Stress, Unterdrückung und gleichartige negative Gefühle erfährt.

Bei diesen Hunden kann der Kontakt zur ruhigen und souveränen Artgenossen aber auch hilfreich sein. Wenn dein ängstlicher und überforderter Hund nämlich die Erfahrung macht, dass andere Hunde gar nicht so schlimm sind.

 

Du siehst: Die Ausgangslage bei deinem Hund ist entscheidend. Und die zukünftige Erfahrung, die er macht, ist genauso entscheidend.

Natürlich kommt es immer darauf an, wie der Hundekontakt aussieht. Es kommt drauf an, wie du den Kontakt gestaltest. Es kommt auch drauf an, ob sich die Hunde schon lange kennen oder noch gar nicht. Und es kommt drauf an, welche Erfahrungen dein Hund jetzt macht.

 

🩶 Schlechter Hundekontakt fördert Mobbing, Unterdrückung, Aggressionsverhalten, Hilflosigkeit, Stress, Angst, Unsicherheit,

🩶 Guter Hundekontakt hingegen fördert Sozialkompetenz, Sicherheit, Selbstbewusstsein, das Abnehmen von Ängsten, das Abnehmen von unterdrückendem Verhalten, die Ausgeglichenheit, die Notwendigkeit für Aggressionsverhalten.

Wichtig ist: Dein Hund sollte seine Erfahrungen machen dürfen. Sie sollten aber von dir unbedingt in eine angenehme Erfahrung gesteuert werden. Wie du das machst, dass dein Hund angenehme Erfahrungen macht? Hier ein paar Tipps:

Bespreche dich offen und ehrlich mit den anderen Hundemenschen

Stress im Hundekontakt entsteht, wenn die Menschen anderer Meinung sind. Wenn sie nicht die gleichen Ziele verfolgen. Wenn die Menschen andere Ansichten haben. Wenn die Kommunikation zwischen den 2 Hunden für den Einen in Ordnung ist und der andere Mensch aber ein schlechtes Gefühl hat. Bespreche dich unbedingt vorher mit dem Menschen, welche Vorstellungen du hast, wie ihr Vorgehen solltet.

Und auch währenddessen. Wenn du irgendwo Handlungsbedarf siehst, kommuniziere das offen mit deinem Gegenüber. Nur dann könnt ihr für beide Hunde gleichermaßen adäquat handeln.

 

Lern die Körpersprache der Hunde lesen

Umso besser du die Körpersprache von fremden Hunden und deinem eigenen Vierbeiner lesen kannst, desto besser kannst du entscheiden, ob du einen Hundekontakt zulässt und wie du handeln solltest.

Die Körpersprache ist ein breites Feld. Es braucht viel Übung und Erfahrung um Hunde gut einschätzen zu können. Wenn du Stressanzeichen und die Körpersprache von Hunden lernen willst, dann setz dich auf eine Hundewiese und beobachte.

Da die Sprache unserer Hunde total komplex ist, solltest du dir immer die Gesamtsituation, in der sich dein Hund befindet und alle körperlichen Merkmale im Einklang ansehen.

Pauschalisiere niemals a la “Der wedelt mit dem Schwanz, der ist freundlich” (Das ist ein Mythos!) Achte einmal auf folgende Punkte, wenn du deinen oder einen anderen Hund einschätzen möchtest.

  1. Ist bei deinem Hund alles, d.h. Körperschwerpunkt, Ohren, Schwanz, Kopf, Blick, Blickrichtung usw. nach hinten und unten gerichtet oder eher aufrecht nach vorne?
  2. Ist dein Hund insgesamt total locker oder ist die Körperspannung sehr steif?

Umso mehr sich der Hund abwendet und nach hinten richtet, desto unwohler fühlt er sich gerade. Umso aufrechter und steifer der Hund, umso bedrohlicher ist die Situation. Auf der anderen Seite bedeutet Lockerheit oft Freundlichkeit.

 

Wähle Hundekontakte gut aus.

Lass deinen Hund nicht zu jedem anderen Hund. Lass ihn nicht zu Hunden bei denen du ein schlechtes Gefühl hast, nur weil der Nachbar es unbedingt möchte. Steh für dich und vor allem für deinen Hund ein. Lass deinen Hund nicht nur aus Höflichkeit anderen Menschen gegenüber zu einem potenziell schlechtem Hundekontakt.

Hunde brauchen im Übrigen nicht immer wieder verschiedene Hundekontakte. Einige gute Hundekumpels sind meist vollkommen ausreichend. Treff dich mit einzelnen Hunden, die gut kommunizieren können, die souverän Grenzen aufzeigen können, die eine ruhige und gelassene Ausstrahlung haben. Das sind die wahren guten Hundekumpels.

Spoiler: Vor einigen Monaten gab es bereits einen Blogbeitrag zum Thema: Wie ein Treffen mit dem Hundekumpel aussehen sollte. Schau gern mal hinein.

Geh nur in große Hundegruppen hinein, wenn sich dein Hund sehr ruhig und souverän verhält. In Hundegruppen herrscht oftmals eine große Dynamik. Du kannst deinen Blick nicht überall haben, sodass dein Hund sehr auf sich allein gestellt ist. Viele Hunde sind davon schnell überfordert. Besser: Treff dich mit einzelnen Hunden.

 

Manage den ersten Kontakt der Hunde

Wenn du dich mit anderen Mensch Hund Teams triffst, die Hunde sich noch nicht kennen und ihr vielleicht auch unsicher seid ob die Hunde sich überhaupt verstehen, dann geht am besten erst einmal gemeinsam an der Leine ohne direkten Kontakt spazieren. Macht einen Trainingsspaziergang mit viel Ruheübungen, viel Entspannung und Absicherung. Gebt den Hunden die Möglichkeit sich geordnet, gelassen und entspannt zu beschnüffeln und kennenzulernen, denn Aufregung im Erstkontakt zwischen 2 Hunden ist nie angebracht.

 

Trainiere mit deinem Hund ein sicheres „Bleib hinter mir“

Wir alle haben es wahrscheinlich schon erlebt, dass ein Fremdhund einfach auf und zugerannt kommt. Damit du gewappnet bist, für deinen Hund einstehen kannst, trainiere mit deinem Hund gezielt das Signal „Bleib hinter mir“ um ihm Sicherheit und Schutz zu bieten und den anderen Hund bestenfalls abwehren zu können.

Wenn du nicht weißt wie du vorgehen sollst, schau dir gern die Webinaraufzeichnung Bleib hinter mir an.

 

Arbeite an dir, deinen Gefühlen und Ängsten

Natürlich bist auch du ein enormer Einflussfaktor bei einem Hundekontakt. Bist du übermäßig unsicher oder ängstlich, dann bringst du enorm viel Anspannung in die Situation. Anspannung ist genauso wie Aufregung kein guter Partner.

Die meisten, gut sozialisierten Hunde sind nicht direkt darauf aus sich zu prügeln oder gar einen Artgenossen zu verletzen. Sie haben ihre Strategien, um Stress, Verletzungen und Aggressionen zu vermeiden. (vorausgesetzt sie sind gut sozialisiert.)

Strategien könnten sein: Spielaufforderungen, Weggehen, Abwarten und Aushalten. (Dies hier ausführlich zu erklären, würde den Rahmen des Blogbeitrages sprengen, vielleicht einmal an anderer Stelle)

Klar sieht es gefährlich aus, wenn es zwischen 2 Hunden rumpelt und jeder will das Beste für seinen Schützling. Aber wenn du mit deiner ängstlichen Energie in die Situation hineingehst, dann bringt es euch keine Punkte.

Versuche eine positive und freundliche motivierende Stimmung zu erzeugen. Bring nicht noch mehr Druck in potenziell kritische Situationen. Wenn sich die Hunde zum Beispiel beschnüffeln und du das Gefühl hast, jetzt ist es aber angespannt, dann geh ein Stückchen weg. Ruf deinen Hund in einer passenden Situation freundlich heraus. Falls er eine Leine dran hat, lass sie unbedingt locker!

 

Bist du unsicher, dann sicher ab

Lieber einen Maulkorb drauf, als den Hund einer potentiellen Gefahr auszusetzen. Es ist nix verwerfliches daran seinem Hund einen Maulkorb aufzusetzen, wenn man unsicher ist, ob der Hundekontakt gut geht oder irgendjemand verletzt werden könnte. Voraussetzung hier ist natürlich auch wieder, dass ich meinem Hund einen Maulkorb antrainiert habe und er ein gutes Gefühl hat, wenn er ihn angezogen bekommt. Ansonsten hätte ich einen zusätzlichen Stressfaktor, der das Fass des Hundes überlaufen lässt und zu Konflikten führen könnte.

 

Gebe den Hunden Pausen

Gerade dann, wenn sich die Hunde noch nicht kennen, dann ist seltenst ein freudiges Spiel und Spaß. Dann ist es oftmals ein Abchecken. Wer bist du? Wer bin ich? Wie tickst du? Was kann ich mir erlauben? Wo liegen deine Grenzen? Wer ist hier der Stärkere und Souveränere? All das sind Fragen die im Hundekontakt geklärt werden. Das ist enorm anstrengend. Gebt den Hunden unbedingt Pausen, damit sie mal kurz entspannen können.

 

Lass deinen Hund kommunizieren, so lange er es kann

Hunde dürfen mal sagen: „Ey geh weg.“ So lange es der andere Hund auch versteht. So lange eine Korrektur der Hunde beim Gegenüber auch Wirkung zeigt, lass es zu! Anders können sie ja Kommunikation nicht lernen. Wichtig ist nur zu beachten: Wenn einer der beiden Hunde überfordert ist, sie immer wieder aneinander geraten, die Kontaktaufnahme einseitig ist, ein Hund übermäßig gestresst ist oder ein Hund übermäßig penetrant ist, erst dann solltest du handeln.

 

Schütz deinen Hund

Wenn du merkst, dass es deinem Hund im Hundekontakt nicht gut geht, weil er immer wieder den anderen Hund abwehren muss, weil er immer wieder bei dir Schutz sucht, weil er immer wieder vom anderen Hund weggeht, weil die Aufregung viel zu hoch ist. Dann nimm deinen Hund zu dir und wehre andere Hunde ab. Geh dazwischen, wenn dein Vierbeiner immer wieder genervt wird. Oder breche den direkten Hundekontakt ab. Glaub mir. Es hat viel mehr Mehrwert, wenn du deinen Hund beschützt, als wenn er erfolglos versucht den Nerventot abzuwimmeln.

Letztendlich hast du die Verantwortung für das Handeln deines Hundes, aber auch für die Situation in die du deinen Hund hineinbringst. Wenn du ein schlechtes Gefühl hast, dann höre auf dein Bauchgefühl und handel vorzeitig. Damit es für alle Beteiligten eine gute Erfahrung wird. Wenn du diese Tipps beachtest, dann hast du eine gute Grundlage für einen guten Hundekontakt geschaffen. Natürlich kannst du niemals negative Erfahrungen, wie plötzliche Beißerein, ausschließen und vollkommen vermeiden. Hunde sind und bleiben Tiere, die auch mal anders handeln können als wir erwarten. Dennoch ist die Gefahr sehr viel geringer, wenn du die genannten Dinge beherzigst.

Lass deinen Hund kommunizieren und in Hundekontakte, wenn es für ihn einen Mehrwert hat!

Du willst noch mehr Tipps? Du willst noch konkreter wissen wie Hundekontakt aussehen sollte? Dann hüpf fix noch mit in die Quick Tipps.

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