Vom Chaos zur Kontrolle. Warum ein sicheres „Sitz“ euer Notanker sein kann.

Ich verrate dir die kleinen aber feinen Stellschrauben.

 

Dem Hund ein „Sitz“ beizubringen ist ja grundsätzlich nicht schwer. Dem Hund beizubringen sitzen zu bleiben kann den Einen oder Anderen allerdings vor Herausforderungen stellen.

Die Fellschnute steht immer wieder auf, wenn diese oder jene Ablenkung kommt. Das kennen wir doch alle.

Aber soll ich dir etwas verraten? Es sind oft nur Kleinigkeiten, die du im Training und eurer Kommunikation verändern kannst, damit dein Hund sicher, auch bei Ablenkungen, sitzen bleibt.

Bevor ich dir die kleinen feinen Details für ein sicheres Sitz verrate, möchte ich erst einmal erklären, dass ein sicheres Sitz zwar enorm viele Vorteile hat. Aber in der einen oder anderen Situation eher nicht die erste Wahl für deinen Hund sein sollte.

Wenn dein Hund ein sicheres Sitz beherrscht, dann

Ist das für dich und deinen Hund im Alltag nicht nur total praktisch. Das „Sitz“ kann ein sicherer Anker für euch sein.

Sicherheit im Straßenverkehr: Wenn dein Hund auf dein Signal hin sich sofort an Ort und Stelle hinsetzen kannst, kann das gerade in plötzlichen Situationen, wenn Radfahrer vorbei kommen oder ein Auto, Rollerfahrer u.ä. unerwartet hinter oder neben euch auftaucht vor bösen Unfällen schützen. Dein Hund rennt dann nicht plötzlich und unerwartet davor.

Kontrolle in unerwünschten Hundebegegnungen: Wenn euch mal wieder ein Tut Nix entgegen kommt, kannst du mit einem Sitz deinen Hund hinter dir festankern, dich davor stellen und ungestört den fremden Hund abwehren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Chaos entsteht ist wesentlich geringer, wenn dein Hund an Ort und Stelle bleibt.

Erleichterung beim Tierarztbesuch und der Körperpflege: Ein Hund, der gut sitzen oder auch stehen bleibt, ist beim Tierarzt leichter zu untersuchen und zu behandeln. Krallenschneiden, den Hund bürsten, Zecken entfernen. All das ist viel besser händelbar, wenn dein Hund sicher sitzen bleibt.

Sitz als kleine Pause im Training: Wenn du zum Beispiel gerade mit deinem Hund die Leinenführung in schwierigen Situationen wie Hundebegegnungen trainierst, dann kann ein gut trainiertes Sitz euch kurz Erleichterung und eine kleine Pause verschaffen. Denn oftmals ist es für Hunde schwieriger Signale in der Bewegung zu halten.

Stell dir vor ihr geht in eine Hundebegegnung. Grundsätzlich klappt es vielleicht schon sehr gut. Du möchtest aber, dass dein Hund auch in solchen Situationen auf die Leinenspannung achtet. Wenn es immer schwieriger wird und es für deinen Hund vielleicht gerade nicht mehr möglich ist nicht an der Leine zu ziehen, dann ist es definitiv besser den Hund kurz hinzusetzen, als mit gespannter Leine schnell daran vorbei zu huschen. Vorausgesetzt dein Hund hat gelernt sicher sitzen zu bleiben.

Sitz für mehr Ruhe und Ordnung: In Situationen, in denen der Hund ruhig bleiben soll (z.B. beim Essen gehen oder bei Besuch), ist ein sicherer Sitz wirklich hilfreich.

Wenn du Besuch bekommst und dein Hund ein gutes, sicheres Sitz kann, dann kannst du ganz bequem die Haustür öffnen, deinen Besuch hereinbitten, ohne dass Chaos durch deinen Hund entsteht. Und auch deinem Hund geht es damit besser. Du kannst ihm genau vermitteln, was er tun soll. Er hat eine klare Aufgabe an der er sich festhalten kann. Übermäßige Angst oder aber auch übermäßige Freude wird durch diese klare Aufgabe eingedämmt.

Alternative bei Verhaltensproblemen: Ein sicherer Sitz ist meist auch eine gute Alternative bei Verhaltensproblemchen. Egal welches Problem du mit deiner Fellschnute hast. Wenn du nur meckerst oder deinen Hund korrigierst, wirst du ihn nur kurzfristig aus der Aktion herausholen. Wenn du aber korrigierst und deinem Hund danach eine klare Aufgabe wie das Sitz gibst, dann weiß er welches das lohnenswerte alternative Verhalten ist.

Falls dein Hund etwas fressen möchte, könntest du sagen „hey“ (energisch, impulsiv) und gleich danach „Sitz“ (freundlich, motivierend). Damit weiß dein Hund genau, was ist richtig und was ist falsch. Genauso beim Anspringen, beim Loskläffen u.ä.

Sitz als Herausforderung und Beschäftigung: Wenn du von deinem Hund ein Sitz in den unterschiedlichsten Situationen und auf den unterschiedlichsten Untergründen abverlangst, dann kann dies auch eine super geistige und körperliche Auslastung sein.

Stell deinen Hund auf ein Wackelbrett oder einen wackeligen Untergrund (Trampolin, Wippe, Schaukel) und verlang das Sitz ab. Ja das ist gar nicht so einfach. Es stellt deine Fellschnute vor Herausforderungen. Aber gleichzeitig wächst das Vertrauen in dich, die Beziehung wird gestärkt und der Spaziergang ist aufregender. Vorausgesetzt dein Hund geht durch die Herausforderung hindurch und lernt, dass sich es auch lohnt. Geh durch die Welt und such die Herausforderungen.

Sitz zum Stressabbau: Das Trainieren von Signalen wie „Sitz“ kann helfen, Stress und Ängste bei deinem Hund abzubauen. Wenn Hunde in Angst geraten, sind sie im emotionalen Teil des Gehirns gefangen. Um sie aus dieser starken Gefühlslage herauszuholen, kann es helfen deinem Hund eine  einfache Denkaufgabe zu geben. Ein Sitz kann deinen Hund zum Nachdenken bringen und die Emotionen geraten ein bisschen in den Hintergrund. Außerdem zeigst du deinem Hund eine Alternative, eine Strategie auf, um mit einem Konflikt umzugehen. Hunde lieben klare Anweisungen. Das hilft ihnen.

Genauso ist es, wenn dein Hund übermäßig aufgeregt ist. Wenn du deinen Hund hinsetzt, wieder auflöst, wieder hinsetzt, usw. Dann denkt er nach. Dann kommt er tendenziell besser aus der starken Gefühlslage heraus.

Sitz als sicherer Anker in Alltagssituationen: Du kommst mit deinem Hund nach Hause, hast einen vollen Einkauf aus dem Auto zu holen und sämtlichen Schnick Schnack. Wenn du deinem Hund sagen kannst, setz dich hin und warte, dann ist dies praktischer. Du kannst nämlich deinen Einkauf ganz entspannt hineintragen.

Du bist in einer Eisdiele oder in einem Biergarten und an der Essensausgabe ist total viel Trubel. Wenn du deinen Hund in ein paar Metern Entfernung abparken kannst, kannst du ganz bequem deine Leckerein holen.

 

So das waren eine Menge Vorteile. Wenn dein Hund ein Sitz gut beherrscht. Gerade, wenn die Situation schwierig oder wuselig wird, ist es cool, wenn du deinen Hund irgendwo abparken kannst und er dort geduldig wartet. Es macht dir das Leben mit ihm sehr viel angenehmer.

    Dennoch gibt es auch Situationen in denen es eher kontraproduktiv sein kann, wenn du ein Sitz von deinem Hund abverlangst.

    Sitz in Hundebegegnungen: Wenn ihr zum Beispiel ein Thema mit Hundebegegnungen habt, dann könnte eine Strategie für euch sein, dass du deinen Hund am Rand des Weges absetzt und das andere Mensch Hund Team vorbeilässt.

    Das geht bei vielen Hunden gut. Bei manchen Hunden ist dies allerdings nicht die beste Wahl der Strategie. Nämlich dann, wenn mit zunehmender Nähe die Anspannung deines Hundes steigt, der Schwierigkeitsgrad sich erhöht und dein Hund es irgendwann nicht mehr aushält sitzen zu bleiben und dann explodiert.

     

    Sitz vor der Freigabe für etwas Tolles: Genauso ungünstig finde ich persönlich ein Sitz bevor dein Hund die Freigabe für etwas Tolles bekommt.

    Wenn du deinen Hund immer hinsetzt, bevor du ihm ableinst, dann ist die Auflösung aus dem Sitz wie ein Startschuss für deinen Hund. Ich weiß du willst wahrscheinlich erst einmal Ordnung in die Situation bringen, bevor du deinen Hund in den Freilauf entlässt. Das Problem ist nur: Im Sitz baut sich die Anspannung auf und entlädt sich mit dem ok, das du gibst. Dein Hund wird damit gesagt: „Jetzt darfst du abdüsen. Jetzt darfst du loslegen. Jetzt darfst du die angestaute Anspannung raus lassen.“ Dabei willst du ja eigentlich dass dein Hund im Freilauf genauso entspannt bei dir bleibt wie an der Leine. Besser: Lein deinen Hund ohne großem Trubel, vielleicht auch im Gehen, ab.

    Ebenso ist dies vor der Freigabe von Futter, der Freigabe jetzt mit dem Hundekumpel spielen zu dürfen, der Freigabe jetzt den Besuch begrüßen zu dürfen.

     

    Sitz, wenn dein Hund im Konflikt ist: Manchmal sehe ich, dass zum Beispiel auf einer Hundewiese ein Hund von einem anderen Hund bedrängt wird und das Herrchen oder Frauchen des bedrängten Hundes dann etwas abverlangt. Ein „Komm her“ oder auch ein „Sitz“. Das finde ich sehr ungünstig, denn dein Hund hat vielleicht gerade einen Konflikt mit einem Artgenossen, würde gern auf dein Signal reagieren, aber kann gerade wegen des Konfliktes mit dem Artgenossen nicht so wie er gern würde. Wenn er auf dein Signal reagiert, bekommt er vielleicht gleich Probleme mit dem Artgenossen, weil dieser ihn vielleicht gerade bedroht. Schau bitte immer, dass du dein Hund mit dem Signal „Sitz“ nicht gerade in einen extremen Zwiespalt stellst. Ich weiß, solche Situationen sind jetzt vielleicht nicht Alltag, aber dennoch war mir es wichtig hier zu erwähnen.

    Obwohl die meisten Hundehalter denken, dass Sitz ein einfaches Signal ist, gibt es immer wieder kleine Stellschrauben, die auch du in euerem Training und in eurer Kommunikation drehen kannst, um das Sitz wirklich sicher zu gestalten. Diese verrate ich dir jetzt:

    💜 Bringe deinem Hund von Anfang an bei, dass er erst wieder aufstehen darf, wenn er von dir das „OK“, also ein Auflösesignal bekommt.

    💜 Wenn dein Hund sitzt, dann schau ihn nicht an. Das verunsichert viele Hunde, denn sie wissen nicht, was du noch willst.

    💜 Ein Leckerli geben bedeutet nicht, dass die Übung vorbei ist und dein Hund aufstehen darf. Trenne die Belohnung vom Auflösesignal.

    💜 Bleib locker in deiner Körpersprache und sei nicht zwiespältig zwischen dem was du sagst und dem was du körpersprachlich sagst. Wenn du dich zum Beispiel im Rückwärtsgang von deinem Hund entfernst, dann heißt es für deinen Hund rein körpersprachlich „komm mit“!

    💜 Hol deinen Hund immer wieder dort ab, wo du ihn hingesetzt hast. Wenn du deine Fellschnute immer aus dem „Sitz“ abrufst, dann sitzt er da wie auf heißen Kohlen. Ganz nach dem Motto: „wann kann ich endlich lossprinten. Sonst ruft sie doch schon immer!“

    💜 Korrigiere deinen Hund, wenn er aufsteht, obwohl du ihn noch nicht freigegeben hast. Aber bleib freundlich. Steigere nur Stück für Stück die Zeit und die Ablenkungen.

      So das waren jetzt einige grundlegende Hinweise zum sicheren und festen „Sitz“. Hast du Lust bekommen euer „Sitz“ weiter zu festigen. Dann hüpf doch gern in die Sitzenbleiber Challenge.

      Auf dich warten 7 Tage lang 7 kurze Übungsideen für ein 7 mal sichereres „Sitz“.

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