„Hilfe mein Hund geht nach vorn und pöbelt!“ Daran kann es liegen.
Kläffen, Pöbeln, in die Leine springen ist bei euch öfters mal angesagt? Du hast schon viel versucht, aber nix hat funktioniert? Ich verrate dir wo die Ursachen stecken könnten und wie du einen Ansatzpunkt für euer Training finden könntest.
Ich betone ganz klar: Ich zeige dir hier häufige Ursachen und Lösungsmöglichkeiten auf! Ob die Dinge, die ich anspreche wirklich auf dich und deinen Hund zutreffen, kannst nur DU für dich beurteilen.
Lies dir den Beitrag durch, reflektiere euch, eure Geschichte, euer Verhalten. Hol dir vielleicht auch mal eine Meinung von einer außenstehenden Person, ehe du handelst!
Denk wirklich erst drüber nach, bevor du irgendwelche Trainingsmethoden ausprobierst und anwendest. Im Hundetraining gibt es keine pauschale Lösung. (Wäre ja zu schön um wahr zu sein!) Jeder Mensch und jeder Hund ist anders und bei Jedem funktionieren bestimmte Dinge anders. Es gibt nicht umsonst 20.000 Trainingsmethoden und jede hat irgendwo ihre Berechtigung. Jede Methode wirkt auf eine bestimmte Art und Weise. Die Frage ist aber, welcher Weg kann euch helfen? Deswegen ist es notwendig zunächst wirklich einmal die Ursache für Pöbeln, Kläffen und Co. zu ergründen, um genau da an der Ursache anzusetzen und nicht nur ein Verhalten zu unterdrücken oder versehentlich noch kontraproduktiv zu handeln.
So. Das war ein wichtiger Punkt, den ich unbedingt erstmal klar stellen musste. Jetzt geht´s los!
Viele Hunde gehen kläffend nach vorn. Meist, wenn sie in dem Moment keinen anderen Ausweg mehr sehen. Die meisten Hunde sind gerade überfordert und wissen nicht, wie sie anders handeln sollen. Kläffen, pöbeln, in die Leine springen ist oftmals nicht die erste Wahl und doch entwickelt sich dein Hund schnell zu einer angezündeten Bombe?
💜 Viele ungünstige nicht erkannte Situationen / Erfahrungen
Meist entsteht ein Anbellen und Pöbeln aus einer eigentlichen Unsicherheit heraus. Vielleicht warst du mit deiner Fellschnute schon in vielen ungünstigen, deinem Hund Angst machenden Situationen. Situationen, in denen du nicht so erkannt hast, dass deine Fellschnute Hilfe und Unterstützung braucht.
Dein Hund hat sich vielleicht in vielen Alltagssituationen schon unwohl gefühlt. Er war vielleicht oftmals schon von auf ihn zukommenden Reizen (egal ob Mensch, andere Lebewesen, Fahrzeuge, Geräusche und ähnliches) überfordert.
Spoiler: Meist entstehen diese überfordernden Erfahrungen im Welpenalter. Der Hund ist der großen weiten Welt noch nicht gewachsen und würde sich am liebsten wegbeamen. Naja das nicht ganz. Aber viele Welpen würden definitiv gern weglaufen oder Situationen meiden.
Vielleicht hat dein Hund mit der Zeit gelernt, dass die Möglichkeit Flucht und Meideverhalten ihm nicht geholfen haben der unangenehmen Situation zu entgehen. Entweder, weil der Reiz ihn trotzdem überfordert hat oder weil du deinem Hund unbewusst die Möglichkeit genommen hast zu fliehen oder zu meiden. Weil du es vielleicht auch gar nicht so erkannt hast.
Vielleicht hat dein Hund dann mit der Zeit gelernt, dass nur nach vorne gehen zum Erfolg führt und das Unangenehme abhält. Und umso öfters dein Hund die Erfahrung macht: „Flucht oder Meiden bringt mir nix. Nach vorn gehen schon.“ Umso häufiger wird er natürlich das Nachvorngehen einsetzen. Hat ja funktioniert, um Unangenehmes abzuhalten.
💜 Du triffst keine Alltagsentscheidungen für deinen Hund
Manche Hunde denken, sie haben ein kleines Krönchen auf.
Sie dürfen im Alltag oft tun und lassen, was sie möchten. Sie treffen dabei viele kleine Entscheidungen. Das sind oftmals sehr banale Entscheidungen wie: „ich spring einfach mal aufs Sofa und leg mich gemütlich da hin!“ oder „die Tür geht auf, stürm ich mal raus“ oder „der Besuch kommt, cool, kann ich stürmisch begrüßen“. Oder „hier schnüffelt es gut, geh ich mal weiter in die Richtung“ oder „da ist mein Hundekumpel, zieh ich mal an der Leine, dann geht´s schneller zu ihm“. Oder „ich will von Mutti gekrault werden, schnüffel ich mich mal an sie ran“.
Wenn dein Hund im Alltag viele kleine Entscheidungen selbstständig treffen kann, ohne dass er da irgendwie eingegrenzt wird oder eine Ablehnung erfährt, dann wird dein Hund darin bestärkt, dass seine Entscheidungen die Richtigen und Wichtigen sind.
Wenn du dich ständig an deinem Hund orientierst, anstatt Orientierung von ihm zu verlangen. Wenn du ständig auf das Verhalten deines Hundes reagierst, anstatt den agierenden Part zu übernehmen, dann bestärken die Entscheidungen deines Hundes ihn in seiner Persönlichkeit. Sie lassen ihn Stück für Stück sicherer werden. Versteh mich nicht falsch. Ich bin niemand der Hunde unterdrücken will. Ich bin der Meinung, dass es richtig gut ist, wenn Hunde selbstsicher sind. Aber dein Hund lernt halt, dass seine Entscheidungen die Richtigen und Wichtigen sind. Er fühlt sich mit der Zeit verantwortlich Situationen zu steuern.
Geht ihr dann raus in die große weite Welt und plötzlich taucht eine Situation auf in der der Hund sich zu einem bestimmten Verhalten entscheidet, und du hinzu kommst und ihm diese Entscheidung abnehmen willst, dann passt das nicht zusammen. Du kannst nicht verlangen, dass dein Hund dann deine Entscheidung, wie sich zu verhalten ist, annimmt, wenn deine Fellschnute den ganzen Tag über schon alles entscheiden konnte.
💜 Du hast deinem Hund nicht gesagt, wie er sich verhalten soll
Vielleicht hast du deinem Hund nie ein „bei Fuß“, ein „Stop“, ein „orientier dich zu mir um“, ein „Bleib hinter mir“ und wie die Signale alle heißen, antrainiert. Vielleicht hast du es deinem Hund niemals Stück für Stück beigebracht. Im Alltag, wenn gerade keine Ablenkungen sind, aber auch wenn´s mal schwieriger und brenzlicher wird.
Vielleicht hast du immer erstmal abgewartet, wie sich dein Hund verhalten wird.
Als Beispiel. Ein Fußgänger spricht euch an und anstatt deinem Hund von Anfang an zu sagen: „Setz dich hin und warte“, hast du einfach nix zu deinem Hund gesagt und verlangt. Du hast erstmal geschaut was dein Hund so macht. Deine Fellschnute ist dann aus Neugier vielleicht mal zu dem Fußgänger hin gegangen. Wurde dann aber unsicher, als dieser ihn angesprochen hat.
Und schwupps: Dein Hund ist jetzt in eine Situation gerutscht in der er selbst entscheiden muss, wie er mit dem Fußgänger jetzt umgeht. Freuen? Zurückgehen und meiden? Anbellen in der Hoffnung, dass der Fußgänger sich weiter entfernt?
Dadurch dass du vielleicht deinen Hund in potenziell schwierigen Situationen nicht gesagt hast, wie er sich richtig verhalten soll, weiß er es nicht. Er weiß nicht, was in deinen Augen richtig und was falsch ist. Er musste selbst Entscheidungen treffen und dementsprechende Erfahrungen machen.
Alles in Allem: Du gibst deinem Hund keine Struktur und Sicherheit!
Hinter dem kläffenden, pöbelnden Hund steckt oft ein kleines unsicheres Wesen, welches nicht dafür gemacht ist, schwierige Situationen zu regeln. Vielleicht hat dein Hund gelernt, dass du schwierige Situationen nicht regelst oder es nicht kannst. Aber einer muss es ja machen.
Wenn diese angesprochenen Situationen oftmals entstehen, dann lernt dein Hund mit der Zeit, dass er selbstständig Entscheidungen treffen muss. Wenn er dann immer wieder Erfolg mit seiner Entscheidung: „ich pöbel los“ hat, wird er in einer ähnlichen Situation auch ähnlich entscheiden. Irgendwann ist sein Verhalten so eingespielt und gefestigt, dass er gar nicht mehr groß drüber nachdenkt, was er da macht. Er handelt einfach, ohne jegliche Überlegung und ohne jeden Verstand. Das ist der Punkt an dem Hundehalter oftmals sagen: „Er geht immer sofort an die Decke!“ Das Pöbeln hat sich dann gefestigt.
Diese angesprochenen Aspekte beruhen darauf, dass dein Hund aus einer ursprünglichen Unsicherheit heraus so handelt wie er handelt.
Natürlich können andere Faktoren auch noch eine Ursache für Pöbeln und Kläffen spielen.
💜 Dein Hund ist überfordert und überreizt
Viele Hunde sind total überfordert und überreizt. Alle Gerüche, Geräusche, Reize, Situationswechsel sprudeln auf den Hund ein. Vielleicht geht es deinem Hund auch alles immer viel zu schnell. Dein Hund kann mit diesen vielen Reizen nicht umgehen. Sie nicht filtern.
Vielleicht, weil dein Hund im Welpenalter diese Reize und Alltagseinflüsse gar nicht kennengelernt hat und nicht damit umzugehen weiß. Oder aber auch, weil er nicht genug Ruhe bekommen hat oder bekommt.
Dein Hund ist überfordert und hat keine Zeit Reize zu verarbeiten. Und dann ist er vom Grund her gestresst. Das Pöbeln ist dann nur ein Stressablassventil! Dein Hund denkt nicht drüber nach. Er kann gar nicht anders, als seinen innerlichen Stress und seine innerliche Unruhe mit Pöblen und Bellen abzulassen.
💜 Dein Hund ist gefrustet, weil Erwartungshaltungen nicht erfüllt werden
Ebenso ist es, wenn dein Hund sehr gefrustet ist. Geht es deinem Hund nicht schnell genug, oder wird seine Erwartungshaltung nicht erfüllt, dann kann es genauso dazu kommen, dass er bellt, nach vorn springt und pöbelt.
Als Beispiel: Dein Hund hat immer viel Spaß daran mit anderen Hunden „zu spielen“ und zu toben. Er hat mit der Zeit gelernt: „Geil anderer Hund – Action und Vollgas!“
Und nun willst du mit ihm gesittet und geordnet in eine Hundebegegnung gehen. Bei deinem Hund steigt aber, weil er die Erfahrung oft sammeln durfte, die Erwartungshaltung Spaß. Er denkt sich: „Anderer Hund – Spielen, Action!“ Wird seine Erwartungshaltung jetzt nicht erfüllt, weil du ihn nicht schnell genug in die Situation „Spielen“ entlässt, oder weil du halt einfach mal an einem anderen Hund vorbeigehen möchtest, dann steigt der Frust in deinem Hund. Und dieser Frust muss irgendwie wieder raus. Ein gutes Ablassventil ist dann Bellen und Pöbeln.
💜 Dein Hund sucht sich einen Job
Natürlich solltest du auch immer schauen: Was hast du für eine Rasse als Hund? Für was wurde dein Hund gezüchtet? Hast du einen Hund der fürs Wachen und Bewachen und Anzeigen gezüchtet wurde, wird er sich tendenziell auch diesen Job im Leben aussuchen. Wenn du einen Herdenschutzhund, Rottweiler, Dobermann, Schäferhund oder Malinois hast und er allein auf deinem Grundstück sämtliche Entscheidungen übernehmen darf, dann wird er höchstwahrscheinlich seinen Job ernst nehmen. Klar spielt da auch immer viel Charakter mit rein, aber vergiss nie den eigentlichen Job deines Hundes
Das waren jetzt ein paar Ursachen, die dazu führen, dass Hunde nach vorn gehen und pöbeln. Diese Ursachen können natürlich einzeln auftreten, sich aber auch miteinander vermischen.
Du möchtest wissen, wie du schwierige Situationen zukünftig besser mit deinem Hund meistern kannst? Finde zunächst die Ursache(n). Und wenn du diese herausgefunden hast, dann schau auf euren Alltag. Setz genau da an. Nicht zuerst am eigentlichen Problem.
Ist es Unsicherheit? Dann tu alles dafür deinen Hund die Unsicherheit zu nehmen, denn diese führt zu einem Verhalten.
💜 Lerne deinen Hund zu lesen, damit du weißt, wie es ihm geht.
💜 Übernehme Verantwortung in sämtlichen Alltagssituationen, indem du proaktiv Entscheidungen für deinen Hund übernimmst.
💜 Arbeite an der Kommunikation zu deinem Hund. Sei stets freundlich, aber setz auch klare Grenzen
💜 Gib deinem Hund Sicherheit und Struktur, z.B. durch ein gut aufgebautes bei Fuß.
Ist es Überreizung und Überforderung? Dann tu alles dafür deinem Hund in Ruhe die Welt zu zeigen, denn die Überforderung führt zu Stress und dieser entlädt sich gern im Pöbeln.
💜 Integriere unbedingt richtig viel Ruhe in euren Alltag.
💜 Geh nicht mega viel spazieren. Setz dich lieber mit deinem Hund hin und beobachte.
💜 Arbeite an der Kommunikation zu deinem Hund und setz Grenzen
💜 Gib deinem Hund Struktur während des Spaziergangs, durch unterschiedliche Gassimodi (siehe vorhergehenden Blogbeitrag)
Ist es Frust? Dann arbeite am Thema Frust ertragen lernen und an typischen Erwartungshaltungen, denn nur wenn du genau da ansetzt, wird’s auf lange Sicht hin entspannt.
💜 Arbeite am Thema Impulskontrolle
💜 Ändere eingefahrene Strukturen und Rituale, um Erwartungshaltungen zu ändern
💜 Setz klare Grenzen. Z.B. durch ein Bleib, Stopp oder bei Fuß
💜 Kommuniziere eindeutig mit deinem Hund (z.B. ein klarer Wechsel zwischen freundlicher Aufforderung und energiereicher Korrektur)
💜 Mach genau das Gegenteil von dem, was dein Hund möchte und erwartet
Ja die Lösungsmöglichkeiten waren jetzt total allgemein. Aber man kann im Hundetraining einfach keine konkreten Tipps geben, ohne das Mensch Hund Team einmal genau unter die Lupe genommen zu haben. Wenn du dennoch mehr von diesen Beiträgen und Gedankenanschubsern brauchst, folge mir auf Instagram oder schreib dich in meinen Newsletter ein!
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