Abbruchsignale – Warum „Nein“ allein nicht reicht

Schluss Aus Nein Pfui Stopp Halt. Ey. Lass das.

Die Liste der Abbruchssignale ist extrem lang. Abbruchsignale sind total vielfältig. Wir setzen sie in den unterschiedlichsten Situationen und mit unterschiedlichsten Zielen ein.  

💜 Dein Hund frisst etwas, was er nicht tun soll. Du sagst ein Schluss, Aus oder Nein.

💜 Dein Hund läuft irgendwo hin, wo er nicht hinlaufen soll. Du sprichst ihn an, sagst vielleicht ein Nein oder ein Ey und verwendest dann den Rückruf.

💜 Dein Hund springt den Besuch an, du sagst vielleicht Lass das.

💜 Dein Hund soll den Ball oder etwas leckeres zum Knabbern abgeben. Du sagst vielleicht ein Aus.

💜 Dein Hund soll den Kackhaufen der Nachbarshündin nicht mitnehmen. Du sagst vielleicht ein Pfui und danach ein komm weiter.

Wie du siehst. Die Situationen sind total vielfältig und unterschiedlich. Dementsprechend trainieren wir sie mit unserem Hund auch auf die unterschiedlichsten Art und Weisen. Zumindest hoffe ich doch, dass du nicht einfach nur ein „Nein“ oder ein „Aus“ in die vielleicht noch wuselige Situation schmeißt und hoffst, dass dein Hund darauf reagiert.

Falls ich dich gerade ertappt habe. Falls du all die Abbruchssignale, von Schluss, über Nein bis hin zum Lass das einfach so verwendest, ohne es einmal strukturierst trainiert zu haben, dann lass dir sagen: Das ist nicht unbedingt so günstig. Lies jetzt unbedingt weiter und erfahre, warum.

Gerade noch schrieb ich, dass alle Abbruchssignale unterschiedlich eingesetzt werden und dann auch unterschiedlich trainiert werden sollten. Jetzt komme ich mit: Das haben alle Abbruchssignale gemeinsam um die Ecke.

Ja. Das hat einen Grund. Um zu verstehen, warum du unbedingt die Abbruchssignale strukturiert trainieren solltest, ist folgendes wichtig zu wissen.

Alle Abbruchssignale bezwecken letztendlich, dass dein Hund ein von dir nicht erwünschtes Verhalten lassen und stattdessen ein Alternativverhalten zeigen soll.

Dein Hund soll nicht die Kacke fressen, sondern mit dir weiter gehen.

Dein Hund soll nicht die Nachbarin anspringen, sondern bei dir stehen oder sitzen bleiben.

Dein Hund soll den Ball abgeben und dir zur Verfügung stellen.

Problem an der Sache ist aber, dass das erste Verhalten, was dein Hund zeigt, was von dir vielleicht unerwünscht ist, deinem Hund oftmals extrem viel Spaß macht.

Dein Hund jagd, er frisst etwas, er begrüßt einen Menschen freundlich. Das sind alles Dinge bei denen er sehr aufgeregt ist und viele Emotionen mit in die Situation hineinspielen.

Jetzt kommst du als Mensch und sagst: „Lass das mit der Aufregung und der Emotion! Hör auf dich zu freuen!“ Hinzu kommt, dass die Meisten das Abbruchsignal auch sehr unfreundlich sagen und sich gleichzeitig wundern warum die geliebte Fellschnute nicht hört.

Ja, warum sollte dein Hund aufhören, wenn er doch gerade Spaß hat oder wenn er voll in einer erregten Emotion steckt?

Hunde sind Opportunisten. Sie tun alles aus Eigennutz. Weil sie sich einen Vorteil von ihrem Verhalten versprechen. Sie tun die Dinge, weil sie ein Ziel verfolgen. Wenn wir jetzt nur meckern, welche Gründe gibt es da für deinen Hund aufzuhören?

Kleiner Abstecher: Natürlich hören viele Hunde auch erst einmal mit einem Verhalten auf, wenn wir Menschen meckern. Weil sie Angst vor negativen Konsequenzen haben. Weil sie deinem Druck entgehen wollen. Weil der Vorteil des Selbstschutzes weit oben bei unseren Hunden liegt.

Aber dein Hund soll doch grundsätzlich gern auf dich hören, oder? Er soll doch keine Angst oder negativen Gefühle mit dir verbinden oder? Und er soll doch lernen, dass sich das unerwünschte Verhalten gar nicht lohnt und er stattdessen gleich dein Alternativverhalten zeigen soll, oder? Deshalb empfehle ich dir Abbruchssignale immer kurz und knackig, aber auch lohnenswert und freundlich zu gestalten.

Abbruchssignale, die ein tolles alternatives Verhalten mitbringen, lohnen sich doch viel mehr. Sie lösen kein negatives Gefühl aus. Sie sind nachhaltiger, denn dein Hund lernt nicht nur, dass ein Verhalten vielleicht nicht so günstig ist. Er lernt auch, dass sich ein anderes Verhalten vielleicht mehr lohnt.

Würde ich immer nur meckern, weiß mein Hund zwar, was falsch ist und was er lieber nicht tun sollte. Aber er kennt die Alternative nicht. Er weiß nicht was er stattdessen tun soll.

Ich sage nicht, dass Hunde keine klaren Grenzen brauchen. Klar müssen wir dem Hund klare Grenzen setzen. Wir müssen sagen, wenn er etwas falsch macht. Aber wir müssen dem Hund unbedingt auch das alternative Verhalten schmackhaft (lohnenswert) machen. Das ist die einzige nachhaltige Möglichkeit.

Dann gerätst du nämlich auch nicht in einen Dauerstrudel aus NEIN, AUS, LASS DAS und Co.

    Jetzt fragst du dich bestimmt, wie das jetzt konkret funktioniert? Ich verrate es dir anhand ein paar Beispiele:

    💜 Lass den Knochen los und gib ihn mir:

    Dein Hund muss lernen, dass sich loslassen und abgeben lohnt, dass er keine Angst haben muss, dass du ihm die „Beute“ wegnimmst. Wenn du immer zu deinem Hund hingehst, ihm den Knochen wegnimmst, entwickelt er eine Verlustangst. Tu das nicht! Geh stattdessen öfters zu deinem Hund hin und verlang erstmal gar nix. Du bist einfach nur da. Greif ab und zu mit ran, aber nimm ihm den Knochen nicht immer sofort weg. Bring ihm bei, dass wenn du es hast, er es gleich wieder bekommt. Oder dass wenn du es bekommst, er etwas schöneres bekommt.

     

    💜 Aufhören mit Anspringen.

    Beim Anspringen gibt es 3 Wege, die je nach Intensität deines Hundes unterschiedlich trainiert werden können. Wichtig ist bei allen Varianten, dass dein Hund lernt, dass sich Anspringen nicht lohnt und alle 4 Pfoten auf dem Boden besser sind.

    Variante 1 für leichte Anspringintensität: Du könntest deinen Hund ohne ihm groß Aufmerksamkeit zu schenken abblocken und ihm in dem Moment, wo alle 4 Pfoten auf dem Boden sind, loben und bestätigen. Springt er wieder hoch, blockst du ihn wieder ab und nimmst deine Aufmerksamkeit weg. Sind alle 4 Pfoten auf dem Boden, bekommt er Aufmerksamkeit,

    Oder Variante 2 für stärkere Anspringintensität deines Hundes: Du gehst aufrecht mit klarer Körperhaltung auf deinen Hund zu, korrigierst mit einem scharfen „hey“ und gibst ihm dann ganz freundlich eine lohnenswerte Alternative wie beispielsweise ein Sitz.

    Oder Variante 3, bei der dein Hund aber nur die Sinnhaftigkeit des alternativen Verhaltens lernt: Du sagst nix, wenn dein Hund hochspringt und beachtest die Aktion deines Hundes in keinster Weise. Du sagst ihm nur ganz freundlich, was er stattdessen tun sollte. Zum Beispiel: „Bring mir mal dein Spielzeug.“ Oder „Geh auf deine Decke.“

     

    💜 Halt / Stopp, wenn gerade ein anderes Tier über die Straße gerannt ist.

    Der Reiz ist für unsere Hunde groß, wenn sie zum Beispiel ein Eichhörnchen über den Weg flitzen sehen. Diesem Reiz zu widerstehen erfordert viel Impulskontrolle. Aber vor allem muss dein Hund lernen, dass dein Signal Halt sich mehr loht, als so einem Reiz hinterher zu flitzen. Trainiere ein Stopp oder Halt erst einmal mit Spielzeug und abgesichert durch eine Schleppleine.

    Schritt 1: Du kullerst in Verbindung mit einem „Ok“ zum Beispiel einen Ball über den Boden und dein Hund darf hinterher. Irgendwann kullerst du den Ball und sagst dabei aber ein „Halt“. Positioniere dich vor deinem Halt Signal allerdings so, dass du deinen Hund körpersprachlich durch entgegengehen und -stellen stoppen kannst. Hast du deinen Hund gestoppt erfolgt sofort eine ganz tolle Belohnung für deinen Hund.

    Schritt 2: Nach mehrmaligen Wiederholungen wirst du irgendwann immer weniger körpersprachlicher Stoppen müssen und dein Hund lernt: „Wenn ich mich nur auf das Signal hin zurücknehme, wird’s gleich noch schöner und spaßiger.

    Schritt 3: Ist das Signal gefestigt, kannst du den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Gib das Halt Signal immer später, immer erst, wenn dein Hund schon in voller Fahrt ist. Schätz die Situation immer so ein, dass du denkst: Es funktioniert gerade noch so.

    Schritt 4: Erst jetzt wendest du das Signal auch in einfachen und später in schwierigeren Alltagssituationen an.

     

    Das waren nur 3 Beispiele von vielen vielen Trainingsmöglichkeiten und Alltagssituationen.

    Willst du mehr Trainingssinspiration, Übungen und Infos rund um Abbruchssignale? Dann hüpf unbedingt jetzt in die Quick Tipps hinein. Lass dich von den kurzen knackigen Trainingsvideos inspirieren.

    Die kleinen Feinheiten sind entscheidend

    Es gibt kleine Feinheiten, die du im Training und im Alltag beachten solltest, damit auch ihr Fortschritte in den verschiedenen Abbruchsignalen habt.        

    💜 Fokus aufs Positive. Konzentrier dich darauf, was dein Hund stattdessen tun soll. Lobe, verstärke, motiviere und bestätige zu jedem alternativen Verhalten, was du toll findest. Erwarte nicht immer gleich, dass dein Hund mit etwas aufhört oder etwas abgibt, das nimmt Druck heraus.

    💜 Sei klar in deiner Kommunikation. Das bedeutet, dass du deine Körpersprache gezielt einsetzen solltest. Das bedeutet aber auch, dass du kurz, klar und energievoll korrigieren und gleich im Anschluss ganz freundlich motivierend deinem Hund die Alternative aufzeigen solltest.

    💜 Verlange nix, was dein Hund nicht leisten kann. Wenn die Situation zu schwierig für deinen Hund ist, dann verlange den Abbruch auch nicht. Denn dann machst du dir mühsam Antrainiertes wieder kaputt. Ergreife Managementmaßnahmen wie z.B. Schleppleine zur Absicherung oder Abstand halten. Oder umgehe eventuelle Konflikte übergangsweise. Z.B. mit Tauschgeschäften. Und dann trainiere Stück für Stück vom niedrigen Schwierigkeitsgrad zum Hohen.

    💜 Geh dein Training strukturiert an und wenn du nicht weiter weißt, dann hol dir unbedingt Hilfe.

    💜 Hinterfrage immer nach der Ursache, warum es bisher bei euch nicht klappt und setz genau da mit dem Training an.

    💜 Ergründe die Erwartungshaltung deines Hundes und änder sie durch Veränderungen in euren Abläufen und Ritualen.

     

    Hast du noch weitere Fragen zu Abbruchssignalen oder zum Trainingsaufbau? Dann schreib mir doch gern.

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