Die Kunst der Ruhe. Wie sich dein Energiebündel zum entspannten Hund entwickelt

Ruuuuuheeeee. Wuuuuusssaaaa. Wie gern würdest du manchmal deinem Hund sagen: „Mach mal langsam, ruhig. Fahr doch mal bitte kurz runter!“?  Ruhe in den hündischen Alltag zu integrieren ist eines der wichtigsten Elemente in der Hundeerziehung. Ruhe kommt meiner Meinung nach vor „Sitz“, „Platz“ und „Fuß“, denn aufgeregte und reizempfängliche Hunde, die gern bei einem inneren Konflikt so richtig hochdrehen, sind gleichzeitig auch Hunde, die öfters mal Problemverhalten zeigen.

Wir kennen es doch alle bei uns selbst. Wenn du gestresst, gehetzt und unruhig bist, dann passieren dir Fehler. Dann reagieren wir viel intensiver auf kleine Reize. Dann erscheint uns eine kleine Aufgabe als unlösbare Herausforderung. Machen wir allerdings aktiv etwas für unsere Ausgeglichenheit und Ruhe, gehen wir beispielsweise in die Sauna, zum Yoga, machen Sport und nehmen uns bewusst Zeit für uns, dann können wir schwierige Situationen besser meistern.

Aber da erzähle ich dir garantiert nix Neues. Das wusstest du sicherlich schon. Fällt es dir dennoch schwer das Ruhetraining in deinen und deinen hündischen Alltag zu integrieren? Dann lies jetzt einfach weiter und nimm dir Inspirationen für ein entspanntes Miteinander mit!

Zunächst klären wir einmal die Frage: Wie sieht ein ruhiger Hund aus? Welche Fähigkeiten und Charakterzüge sind für mehr Ruhe vorteilhaft?

Naja wir Menschen sehen das mit der Ruhe bei unseren Hunden leider oft sehr oberflächlich. Ein Hund der gut sitzen bleiben kann, ist er gleichzeitig ruhig? Ein Hund, der einer rennenden Katze widerstehen kann, ist er gleichzeitig ruhig? Ein Hund, der nix anbellt, ist er ruhig? Ein Hund, der nicht groß auffällt, ist er ein ruhiger Hund? Die einen sagen: Ja! Ich sage: Nicht unbedingt!

Natürlich hat Ruhe viel mit Impulskontrolle zu tun. Impulskontrolle ist die Fähigkeit dem ersten Motivationsschub zu widerstehen. Impulskontrolle kostet Energie, wieviel ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Die einen Hunde können Reizen sehr gut widerstehen. Den anderen fällt es sehr schwer. Je nach Charakter gehen unsere Hunde unterschiedlich mit Reizen und der Fähigkeit diesen zu widerstehen um.

 

💜 schlechte Impulskontrolle + extrovertiert = Diese Hunde werden oftmals als laut und als unruhig bezeichnet, weil es offensichtlich ist, dass der Hund sehr reizempfänglich ist und Ruheübungen zu lautstarkem Frust führen.

💜 schlechte Impulskontrolle + introvertiert = Diese Hunde werden oftmals als leise, aber aktiv bezeichnet. Es ist oft nicht so offensichtlich, dass der Hund Frust bei Ruheübungen hat.

💜 gute Impulskontrolle + extrovertiert = Diese Hunde werden oftmals als aktiv, aber gut erzogen bezeichnet. Sie lernen schnell, aber wirklich aus tiefstem Inneren herunterzufahren und Ruhe zu halten, fällt auch ihnen schwer.

💜 gute Impulskontrolle + introvertiert = Diese Hunde werden meist als ruhig und ausgeglichen bezeichnet. Dies ist auch meist die Realität.

 

Also halten wir fest: Eine gute Impulskontrolle deines Hundes ist natürlich für das Ruhetraining förderlich, weil nicht ganz so viel Frust entsteht, wenn du Ruhe verlangst.

Aber! Es spielt auch eine Rolle, wie dein Hund charakterlich veranlagt ist. Die einen Hunde sind sehr extrovertiert und werden durch den Konflikt, die Ruheübungen und Impulskontrollübungen mit sich bringen, sehr hibbelig, wuselig, laut und aufbrausend. Andere Hunde sind eher introvertiert. Sie haben vielleicht den gleichen inneren Konflikt, aber fressen den Frust und Druck in Ruheübungen eher in sich hinein.

Deshalb solltest du immer beachten, ob dein Hund wirklich herunterfährt, oder ob es unter der Oberfläche brodelt. Dein Hund sich aber gut zusammenreißen kann.

 

Denn Ruhe ist nicht gleich Ruhe. Unsere Hunde können uns Ruhe auch gut „vorspielen“.

Anzeichen dafür, dass dein Hund Ruhe nur „vorspielt“ sind:

  • Er sitzt oder liegt da und beobachtet ständig deine Bewegungen und Handlungen.
  • Er zeigt im Alltag öfters aus dem Nix Problemverhalten.
  • Er springt sofort los, sobald er von dir das ok bekommt.
  • Er zittert, gähnt, kratzt sich oder knabbert viel an den Pfoten, wenn du Ruhe verlangst.
  • Er legt sich nicht auf die Seite oder den Rücken.
  • Er legt sich mit Blickrichtung zum Geschehen.

Ruhe, Ausgeglichenheit, souveräne Reaktionen auf Reize, Entspannung. Das kommt nicht von jetzt auf gleich. Das kommt auch nicht durch stricktes Erlernen von Signalen. Dafür müssen wir aktiv etwas tun.

Jetzt fragst du dich sicherlich: „Ja na klasse. Das ist logisch. Aber was soll ich jetzt tun?“

Das ist natürlich schwer so allgemein jetzt zu sagen. Um deinen aufgeregten Hund zur Ruhe zu bringen, solltest du zu allererst folgendes tun:

 

Setz an der Ursache an!

Wie bei jedem anderem hündischen Thema, solltest du nicht nur stupide Deckentraining und Sitz, Platz, Bleib und Co. trainieren. Um deinen Hund wirklich in die Entspannung zu bringen, solltest du herausfinden wo die Aufregung, die Hibbeligkeit, die Unruhe ihre Ursache hat.

3 Beispiele:

  • Hat dein Hund eine bestimmte Erwartungshaltung? Dann änder sie!
  • Hat dein Hund Angst und kommt deswegen nicht zur Ruhe? Dann achte auf Sicherheit und behebe die angstauslösenden Dinge oder die Einstellung deines Hundes zu den angstauslösenden Elementen.
  • Ist dein Hund überreizt? Dann versuche die Herausforderungen des Alltags ein bisschen herunterzufahren und nur langsam zu steigern.

Jeder Hund ist anders, jeder hat andere Beweggründe für Unruhe. Wenn du die Ursache nicht findest, dann wirst du niemals den für dich passenden Trainingsweg finden. Falls du Hilfe benötigst, dann hol sie dir gern. Schreib mich gern an, falls du mit mir zusammen in einem halbstündigen kostenlosen Erstgespräch erste Ansätze herausfinden möchtest. Dann finden wir einen Termin.

Du willst trotzdem noch ein paar allgemeine Hinweise und Inspirationen rund um das Thema Ruhetraining? Dann lies jetzt noch weiter: 

 

Ein Fakt, der mir sehr am Herzen liegt: Es bringt dir rein gar nix, deinen Hund schnell durch Druck ruhig stellen zu wollen. Ihn zu zwingen auf der Decke zu bleiben oder sitzen zu bleiben. Das wird vielleicht oberflächlich funktionieren. Aber wie wir gerade gelernt haben, kann (muss nicht) es dann schnell passieren, dass dein Hund nur oberflächlich ruhig ist. Vielleicht bleibt dein Hund sitzen und liegen, weil er deinem Druck entgehen will. Dennoch bleibt sein innerer Konflikt. Innerlich brodelt es vielleicht in ihm.

Bau Bleibübungen wie das Deckentraining oder das Sitz kleinschrittig und lohnenswert auf!

Natürlich soll dein Hund mit einem positivem Gefühl lernen, dass Warten und Innehalten lohnenswert sind. Verlang deshalb nicht gleich zu viel, denn dann gerätst du wieder in Frust und übst zu viel Druck auf deinen Hund aus. Trainiere das Sitzenbleiben oder das Deckentraining immer vom Leichtem zum Schweren! Anfangs mit ganz kurzen Einheiten in reizarmer Umgebung. Später mit längeren Wartezeiten und schwierigen Situationen.

Vergiss eine positive Stimmung und das Loben nicht, denn für deinen Hund soll sich das Warten ja schließlich auch lohnen.

Wie du das Sitzenbleiben trainieren und weiter festigen kannst, erfährst du beispielsweise auch in der Sitzenbleiber Challenge

 

Gib deinem Hund Sicherheit!

Hunde, die sich nicht sicher fühlen, werden sich nicht entspannen können. Sie sind immer in halb acht Stellung.

Arbeite daran, dass dein Hund dich als sein sicherer Hafen sieht. Dass er lernt, dass du die Person bist, die die Verantwortung für euch übernimmt. Und damit reiße ich hier gerade wieder ein ungemein großes Thema an, welches durch viele kleine Situationen im Alltag von dir aufgebaut werden sollte. Wie du deinem Hund Sicherheit und Schutz bietest?

Lass dich gern vom Blogbeitrag Wie du deinem Hund mehr Schutz bietest und ganz nebenbei das Vertrauen in dich stärkst inspirieren. 

 

Achte auf DICH!

Nur wenn es dir gut geht, kannst du eine sichere Stütze für deinen Hund sein. Nur wenn du ausgeglichen und entspannt bist, kannst du dies deinem Hund vermitteln. Stimmungsübertragung, deine Gedanken und Gefühle, dein Charakter haben so viel Auswirkungen auf das Verhalten deines Hundes. Du kannst nicht erwarten, dass sich dein Hund entspannt, wenn du innerlich total aufgewühlt bist, wenn du gestresst, genervt oder überfordert bist. Setz zuerst bei dir an! Wie? Das weißt du glaube ich am Besten! Hör auf dein Bauchgefühl und tu das, was sich für dich fein anfühlt.

 

Berücksichtige die individuellen Bedürfnisse deines Hundes!

Natürlich ist die Rasse, der Charakter deines Hundes, seine Geschichte und seine bis jetzt gemachten Erfahrungen ein entscheidender Faktor, ob dein Hund gut herunterfahren kann oder nicht. Charakter wirst du nicht und sollst du auch nicht ändern! Erfahrungen und gewohnte Verhaltensweisen wirst du nicht löschen können.

Manche Hunde sind von Natur aus ruhiger, während andere mehr Energie haben, oder es ihnen durch die Aufzucht in die Wiege gelegt wurde. Deshalb ist es wichtig, dass du das Ruhetraining und vor allem deine Erwartungen an eure spezifischen Bedürfnisse und Eigenschaften anpasst.

 

Achte auf einen ausgewogenen Ausgleich von Action und Ruhe!

Es wird dir ja bereits bekannt sein, dass Hunde nicht den ganzen Tag gefordert werden sollten. Einmal weil sie sonst total überreizt sind und dann auch nicht mehr zur Ruhe kommen und zum Anderen, weil sie Action sonst immer mehr einfordern. Achte deswegen auf eine ausgewogene Beschäftigung und ausreichend Erholungszeiten.

„Darf ich gar nicht mehr Vollgas geben, wenn mein Hund eh schon aufgedreht ist?“ Diese Frage erreicht mich oft.

Und meine Antwort darauf ist oft: Doch! Du darfst deinen Hund auch mal hochpushen. Du sollst das sogar gezielt tun. Damit dein Hund auch mal Dampf ablassen kann. Dein Hund braucht die Möglichkeit überschüssige Energie, Frust, Stress und Co. herauszulassen.

Wichtig ist nur, dass du bestimmst wann Action angesagt ist. Und dann bestimmst du genauso wann Ruhe angesagt ist. Wenn dein Hund schon sehr aufgeregt ist und dich vielleicht auch auffordert mit ihm zu spielen. Dann solltest du in dem Moment nicht unbedingt darauf eingehen. Aber vielleicht ein paar Minuten später, wenn dein Hund nicht damit rechnet, dass jetzt Action angesagt ist.

So machst du Hochdrehen und Aufregung steuerbarer. Genauso wie Ruhe!

 

Achte auf eure Kommunikation

Wenn dich dein Hund nicht versteht. Wenn du ihm nicht richtig vermitteln kannst, was richtig und was falsch ist. Wenn du deinen Hund nicht verstehst, dann entsteht Frust auf beiden Seiten. Unverständnis wiederum führt wieder zu Stress. Das Ergebnis könnte ein übermäßig aufgeregter Hund sein, welcher versucht durch Hochdrehen den Stress loszulassen. Achte auf eine freundliche, verständnisvolle und bedürfnisorientierte Kommunikation zwischen euch. Das ist die Grundlage für alle Hundetrainingsthemen, ebenso wie für die Entspannung.

 

Achte auf Stressfaktoren in eurem Alltag

Ebenso wie Stress durch eine nicht so optimale Kommunikation verhält es sich mit allen anderen Stressfaktoren in eurem Alltag. Hat dein Hund vor etwas übermäßig Angst, dann wird es ihm schwer fallen zur Ruhe zu kommen. Ist dein Hund übermäßig freudig aufgeregt, dann wird er ebenso wenig zur Ruhe kommen. Hier und da ist Stress absolut nicht schädlich. Dauerhafter Stress, egal ob dieser positiver oder negativer Natur ist, ist nicht nur schädlich. Der Stress blockiert das Entspannen deines Hundes, sodass Überforderung sich noch weiter breit macht.

 

Die Macht der Gewohnheit!

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Alles was nicht so ist wie immer, stellt uns erst einmal vor Herausforderungen, macht Stress und bringt uns in Unruhe. Aber auch unsere Hunde befinden sich gern in einer Komfortzone. Das ist der sichere Hafen, welcher Vertrauen schafft und zur Ruhe führt. Unruhigen Hunden können Rituale und gleiche Abläufe helfen herunterzufahren. Machst du Ruheübungen immer im gleichen Kontext, d.h. zum Beispiel immer mit dem gleichen Ablauf oder immer an dem gleichen Ort, dann wird das Ruhetraining anfangs erfolgreicher. Wenn die Gewohnheit einsetzt und dein Hund gut zur Ruhe kommt, dann empfehle ich dir Stück für Stück Kleinigkeiten zu ändern, damit ihr euch natürlich auch weiterentwickelt.

    Letztendlich ist Ruhe im Alltag das Wichtigste, was du deinem Hund beibringen solltest. Das erspart dir und deiner Fellschnute das Training an anderen „Baustellen“. Integriere Ruhe in den Alltag aber sei nicht zu verbissen, denn mit Druck wirst du nicht weit kommen.

    Wie du an das Ruhetraining herangehst, welche Übungen effektiv sind und wie du das Ruhetraining spielend leicht in den Alltag integrieren kannst, erfährst du diese Woche auch in den Quick Tipps.

    Du weißt nicht, was die Quick Tipps sind? Die Hundeheldinnen Quick Tipps sind dein täglicher Begleiter in Sachen Hundetraining. Jede Woche beschäftigen wir uns mit einem anderen hündischen Thema. Jeden Tag bekommst du ein kurzes Video freigeschalten. Vollgepackt mit Inspiration, Trainingsideen, Gedankenanschubsern, Hinweisen und Erklärungen. Für eine stetige Weiterentwicklung.

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