Dummytraining – Wenn Schnüffelspaß, Auslastung und Grunderziehung sich vereinen
All unsere Hunde mit ihren rassespezifischen Merkmalen wurden zu einem bestimmten Zweck gezüchtet. Die meisten Hunde wurden damals zum Jagen eingesetzt.
Auch das Dummytraining stammt aus der jagdlichen Ausbildung von Hunden.
Beim Jagen kommen viele Funktionen zusammen. Schaut man mal auf die Verhaltenskette beim Jagen, dann läuft diese wie folgt ab: Suchen und Orientieren, Fokussieren, Beschleichen, Hetzen und Verfolgen, Packen, Töten, Zerlegen, Wegtragen und letztendlich auch Fressen.
Je nach Rasse sind einzelne Sequenzen dieser Verhaltenskette mehr ausgeprägt. Andere wiederum weniger.
🩶 Stöberhunde, wie Cocker Spaniel, Deutscher Jagdterrier sind fürs Aufsuchen und Aufscheuchen zuständig.
🩶 Vorstehhunde, wie der Pointer oder der Vizsla sind fürs stille Anzeigen und auf Signal hin auch fürs Aufscheuchen zuständig.
🩶 Schweißhunde suchen nach bereits verletztem Wild.
🩶 Erdhunde, wie der Dackel oder Jack Russell sind dafür gezüchtet in den Bau der Wildtiere zu kriechen und sie herauszutreiben.
🩶 Apportierhunde, wie der Labrador oder der Golden Retriever arbeiten nach dem Schuss des Jägers. Sie suchen und bringen es dem Jäger.
🩶 Hütehunde, wie der Schäferhund oder der Australian Shepherd sind zum Zusammentreiben gezüchtet.
So jetzt finden wir aber heute genau diese Hunde in unserem Alltag wieder und der hat oft nicht so viel mit Jagen zutun bzw. finden wir Menschen diese jagdlichen Verhaltensweisen oft sehr uncool. Stattdessen fordern wir oft genau das Gegenteil vom Jagen. Wir fordern, dass unsere Hunde im Freilauf gut auf den Rückruf hören. Wir fordern, dass sie entspannt an der Leine laufen. Wir fordern, dass sie auf unsere Signale hin sofort reagieren.
Das Problem dabei ist aber, wenn unsere Hunde ihre Bedürfnisse nicht ausleben dürfen, das wissen wir alle, entsteht Frust, Unwohlsein und oftmals auch Fehlverhalten.
Ergo: Es ist wichtig, unseren Hunden auf jeden Fall die Gelegenheit zu geben, ihre natürlichen Anlagen und Instinkte auf irgendeine Weise ausleben zu können, für die sie gezüchtet wurden.
Mit Hilfe von Dummytraining kannst du deinem Hund in gerichteter und geordneter Form all diese Jagdsequenzen (Suchen und Orientieren, Fokussieren, Beschleichen, Hetzen und Verfolgen, Packen, Töten, Zerlegen, Wegtragen und Fressen) ermöglichen. Zumindest ansatzweise. Deshalb ist Dummytraining eine super Form deinen Hund das gerichtete Jagen zu erlauben und ihn auf seine ganz natürliche Weise, dafür wofür er gezüchtet wurde, auslasten.
🩶 Dein Hund darf den Dummy suchen und aufstöbern.
🩶 Dein Hund darf den Dummy, wenn du ihn wirfst, fokussieren und wenn du eine Schnur ran machst vielleicht auch beschleichen, hetzen und fangen.
🩶 Dein darf ihn packen, vielleicht auch mal schütteln.
🩶 Gut ich gebe zu. Die Nächste Jagdsequenz, das Zerlegen, ist von uns meist nicht so gewünscht.
🩶 Aber dein Hund darf den Dummy tragen und bringen und bekommt dafür oftmals auch die Belohnung Fressen.
Super Sache oder?
Dummytraining ist meiner Meinung nach ein super Beschäftigungs-, Erziehungs-, Auslastungs- und bindungsförderndes Mittel
Dein Hund wird körperlich und vor allem auch geistig ausgelastet.
Dadurch, dass dein Hund nicht nur unkontrolliert jagen gehen darf, sondern du die Vorgaben machst, wann er was tun soll, wird die Zusammenarbeit extrem gefördert. Dein Hund achtet mehr auf deine Signale. Lernt, dass es einen Vorteil hat auf deine Signale zu hören. Ihr habt gemeinsame Herausforderungen, die ihr meistert, gemeinsame Erfolgserlebnisse und vor allem Spaß. Das stärkt eure Bindung und euer Vertrauen.
Ja dein Hund muss im Dummytraining viel Impulskontrolle zeigen. Die Schulung dieser Fähigkeit den Reizen kurzzeitig zu widerstehen, kann dir auch in anderen Themenbereichen wie im Hundebegegnungstraining helfen.
Dadurch, dass dein Hund im Dummytraining natürlich auch viel schnüffelt, reichen oft kleine Trainingssequenzen, um deinen Hund die benötigte Auslastung zu geben. Schnüffelarbeit strengt an und macht müde, mehr als ein Spaziergang ohne jegliche Aufgaben.
Und soll ich dir noch einen enormen Vorteil verraten? Ganz nebenbei festigst du die Grundsignale wie Sitz, Platz, bei Fuß, den Rückruf usw. Denn dein Hund lernt, dass es sich lohnt sitzen zu bleiben, erst einmal im bei Fuß bei dir zu bleiben oder auf dein Rückrufsignal zu reagieren.
Was dein Hund erst einmal lernen sollte, bevor du richtig Dummy verstecken kannst bzw. was er lernen sollte, damit euer Dummytraining auch wirklich zielführend ist und beiden Beteiligten Spaß macht? Das verrate ich dir jetzt.
Der größte Fehler, den du machen kannst, ist: Den Dummy zu werfen und zu hoffen, dass dein Hund ihn direkt zu dir bringt und abgibt.
Es ist grundsätzlich doch eher ein unnatürliches Verhalten, dass Hunde etwas, was sie mögen, ihre Beute, zu ihrem Menschen bringen. Ohne ein strukturiertes Training, ohne ein paar vorbereitende Übungen ist die Tendenz deines Hundes den Dummy aufzunehmen, damit wegzulaufen und ihn zu zerfetzen sehr groß. Außerdem ist ein gut und freundlich antrainiertes „Aus“ Grundvoraussetzung für ein entspanntes Dummytraining. Dein Hund sollte lernen, dass es sich lohnt etwas herzugeben.
Nützliche Übungen könnten sein:
- Du spielst mit deinem Hund und dem Dummy ein Zieh- und Zerrspiel. Bau kurze Pausen ein. Dein Hund soll immer mal wieder loslassen und dann geht das Spiel weiter. So lernt er, dass es Spaß macht mit dir und dem Dummy zu spielen und vor allem auch den Dummy wieder herzugeben.
- Du animierst deinen Hund durch schnelle animierende Bewegungen von ihm weg dem Dummy hinterher zu flitzen und machst dann immer mal eine Pause, um ihm aus dem Dummy ein Leckerli zu geben. So machst du den Dummy grundsätzlich erstmal interessant und dein Hund lernt, dass er nur an das Futter kommt, wenn du ihm daraus etwas gibst.
Außerdem sollte dein Hund es später doch gut aushalten können, ohne gleich loszustürmen, wenn du den Dummy verstecken gehst oder ihn wirfst. Impulskontrolltraining ist angesagt.
Nützliche Übungen könnten sein:
- Du lässt den Dummy fallen, hebst ihn wieder auf und gibst deinem Hund daraus eine Belohnung fürs innehalten und warten. So lernt dein Hund, dass es sich tatsächlich lohnt zu warten.
- Du setzt deinen Hund hin und spielst selbst mit dem Dummy Fußball. Wenn er schön gewartet hat, dann gibst du ihn eine Belohnung. Entweder ein Leckerli oder das ok, dass dein Hund jetzt wieder mit dir ein Zieh und Zerrspiel machen kann. Dein Hund lernt, dass er auf dein OK hin erst die Freigabe für etwas Tolles bekommt.
Wie du an das Dummytraining herangehst?
Zuerst solltest du dir die Frage stellen, ob du das Dummytraining richtig professionell im Hundesport betreiben, oder ob du es nur in deiner Freizeit aus Spaß an der Freude mit deinem Hund ausprobieren möchtest.
Im Hundesport gibt es einige Vorgaben, die alle in der Prüfungsordnung niedergeschrieben sind. Wende dich unbedingt an einen Hundesportverein, falls du das Dummytraining professionell im Hundesport betreiben möchtest, denn wenn du anfängst, dann lern es gleich richtig mit allen Regeln und Vorgaben.
Falls du es wirklich nur für dich und deinen Hund zur Beschäftigung trainieren möchtest, dann bist du eigener Herr deiner Regeln. Dann kannst du natürlich das Dummytraining so gestalten, wie es für dich und deinen Hund fein ist. Dann kannst du die Regeln bestimmen, bestimmen welchen Dummy ihr gut findet und wie ihr an das Training herangeht.
Ich bin ein Fan vom Amateurdummytraining, deshalb sind auch die Hinweise, die ich dir hier gebe, einfach nur lieb gemeinte Tipps.
Was du fürs freizeitliche Dummytraining brauchst?
Naja im Grunde ist es nicht viel. Zunächst solltest du überlegen, ob du einen Futterdummy nutzen möchtest, einen Standard-Dummy oder einfach nur ein Spielzeug deiner Wahl.
Ein Futterdummy ist letztendlich nix anderes als ein Federkästchen, gefüllt mit Leckereien für deinen Hund. Ein Standarddummy ist wie eine dicke Rolle mit einer speziellen, für den Hund erstmal uninteressanten festen Füllung.
Außerdem bräuchtest du für den Anfang noch eine leichte Schleppleine, die am Geschirr befestigt wird, einen motivierten Hund, ein kleines ruhiges Stückchen Wiese und dann kanns schon los gehen.
Wie du das Dummytraining jetzt beginnst?
Gemeinsames Spielen.
Zunächst sollte dein Hund einfach nur Gefallen und Freude mit dem Dummy verbinden. Spiel mit ihm. Fütter ihn aus dem Dummy. Hab Spaß mit ihm. Damit dein Hund lernt, dass der Dummy schon was richtig cooles ist.
Impulskontrollübungen
Im nächsten Schritt sollte dein Hund lernen, dem Dummy auch mal zu widerstehen. Fang an im Spiel immer mal kurze Impulskontrollübungen einzubauen. Lobe deinen Hund fürs Zurücknehmen und Warten und dann geht euer Spiel aber auch schon weiter.
Apportiertraining
Wahrscheinlich wird dein Ziel ja sein, dass du den Dummy versteckst oder schmeißt und deine Fellschnute ihn sucht und dir wieder zurückbringt. Deswegen solltest du jetzt anfangen deinem Hund beizubringen, dass es echt einen Vorteil hat mit dem Dummy in deine Nähe zu kommen und ihn dir zu bringen.
Jetzt kannst du verstecken
Wenn dein Hund gelernt hat, dass der Dummy echt cool ist, dass man sich aber auch immer mal zurücknehmen muss und wenn er gelernt hat, wie Apportieren funktioniert. Dann kannst du anfangen ihn zu verstecken. Lass deinen Hund warten. Versteckt den Dummy erst einmal ganz einfach und dann schick ihn los.
Ein kleiner Hinweis noch: Dein Hund weiß nicht von Anfang an, dass „brings her“, „such“ oder „apport“ oder was auch immer du für ein Signal verwendest, dass dieses Signal bedeutet: „Bring mir den Dummy“.
Versuch also anfangs, wenn alles noch auf wackeligen Beinen steht, auch kein Signal zu verwenden. Erst wenn du dir sicher bist, dass dein Hund losrennt, den Dummy findet und zu dir bringt, gibst du dem Kind einen Namen.
Hast du Fragen zum Dummytraining? Dann schreib es doch gern hier in die Kommentare!
Ach ja: Und wenn du konkrete Übungen, eine kleinen Plan für deinen Start zum Dummytraining brauchst, dann hüpf noch fix in die Quick Tipps hinein.
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