Darum geht das Erregungslevel deines Hundes hoch! Herzlich Willkommen im 2. Teil dieser minikleinen Serie.
Du hast den ersten Teil noch nicht gelesen. Dann swipe einfach nochmal fix hinüber zum vorhergehenden Blogartikel. Da habe ich mit vielen Beispielen die Ursachen für ein erhöhtes Erregungslevel erklärt und bin auf das Thema Konflikte und nicht erfüllte Erwartungshaltungen und dementsprechender Frust eingegangen.
Im zweiten Teil werden wir uns mit dem Thema Überforderung und Angst beschäftigen. Also lets go!
Du hast den Arsch voller Arbeit und hast das Gefühl nicht mehr hinterher zu kommen? Willkommen in der Überforderung. Willkommen im erhöhten Erregungslevel. Unseren Hunden geht´s da nicht anders. Wenn sie überfordert sind, können sie keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sie sind gestresst und das Erregungslevel steigt. Den Stress, die Überforderung, diese Energie muss dein Hund wieder loswerden. Und das geschieht leider so oft durch Hibbeligkeit und Fehlverhalten. Doch kommen wir einmal dazu, wie Überforderung entsteht.
FEHLENDE ENTSPANNUNG
Wir und meist auch unsere Hunde haben einen durchgetakteten Wochenplan. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten. Vielleicht hast du mit deinem Hund regelmäßige Gassidates, bist in der Hundeschule, machst noch viele auslastungstechnische Dinge. ABER vielleicht vergisst du das Thema Entspannung!
Unsere Hunde brauchen 18 bis 20 Stunden Ruhe am Tag. Wenn sie das über einen längeren Zeitraum nicht bekommen, dann steigt der Stresspegel und dementsprechend wird dein Hund anfälliger Reizen gegenüber, hat eine kürzere Geduldsschnur, dreht schneller auf. Ursache ist: Dein Hund braucht Zeit alles Erlebte zu verarbeiten!
Fazit: Leg ganz bewusst Ruhetage oder Ruhestunden in deinen Alltag hinein. Gib dir und deinem Hund mehr Zeit und Raum herunterzufahren und vor allem mach dir keinen Druck den Hund ständig optimal auslasten zu müssen. Weniger ist oft mehr! Und wenn dein Hund nicht von alleine abschalten kann, dann zwing ihn hier und da zur Ruhe. Ruhe muss gelernt werden!
ZU VIELE REIZE UND IMPULSE
Mit einem durchgetakteten Wochenplan einhergehend sind oft zu viele Reize und Impulse!
Unsere Hunde haben tagtäglich nur ein bestimmtes Kontingent an Impulskontrolle. Ist dieses leer, fällt es ihnen schwerer Reizen und Impulsen zu widerstehen.
Wenn dein Hund also schon viele für ihn schwierige Hundebegegnungen meistern musste, du mit ihm an belebten Orten unterwegs warst und Ordnung eingefordert hast und er sich in diesen Situationen immer sehr zusammenreißen musste, dann sinkt seine Impulskontrolle Stück für Stück. Wie ein Glas, was bei jeder reizvollen Situation immer ein Schlückchen leerer wird. Irgendwann ist es ganz leer. Es kann aber nur wieder aufgefüllt werden, wenn dein Hund Zeit hat die erlebten Dinge zu verarbeiten, sich auszuruhen und Kraft zu tanken.
Was ich damit sagen möchte: Wenn dein Hund vielen Reizen ausgesetzt ist, wenn er sich oft zurücknehmen musste, dann kann er irgendwann Impulsen und Reizen nicht mehr so gut widerstehen, wie am Anfang. Er zeigt nicht plötzlich Fehlverhalten. Er dreht nicht plötzlich auf. Das Maß ist in dem Moment halt gerade voll.
Fazit: Schaue genau darauf, was dein Hund gerade noch leisten kann und was nicht. Der Geduldsfaden wird von Situation zu Situation dünner und irgendwann reißt er. Beobachte deinen Hund, denn nach müde kommt doof.
ZU HOHE ERWARTUNGSHALTUNG
Kennst du das? Gestern lief es mit deiner Fellschnute richtig super. Er war aufmerksam, er war entspannt, er hat nicht gepöbelt oder gemotzt. Heute ist der Wurm drinnen. Heute klappt gefühlt gar nix und schon gar nicht das, was gestern so gut funktioniert hat.
Wie gerade mit den Reizen erklärt, könnte es daran liegen, dass dein Hund sich einfach noch nicht erholt hat. Es könnte aber auch daran liegen, dass du eine zu hohe Erwartungshaltung hast. Weil es gestern so gut funktioniert hat, hast du es dir und deinem Hund heute gleich schwerer gemacht. Lief ja gestern gut. Aber vielleicht ist dein Hund mit dem erhöhten Schwierigkeitsgrad gerade ein bisschen überfordert. Vielleicht kann er es noch nicht leisten. Vielleicht hat er auch einfach mal einen schlechten Tag.
Der häufigste Grund, warum im Hundetraining etwas nicht klappt, ist: Der Mensch verlangt zu schnell zu viel. Der Mensch erwartet zu viel. Und ganz ehrlich: Damit sind unsere Hunde schnell überfordert. Und aus Überforderung heraus entsteht Aufregung und Hibbeligkeit.
Fazit: Wenn mal etwas nicht klappt und dein Hund hibbelig wird, dann reflektiere genau, ob er es gerade leisten kann, ob du gerade zu viel erwartest. Mach es euch doch ein bisschen einfacher. Dann sind alle Beteiligten viel zufriedener und vor allem wird dann das Training auch erfolgreich. Denn ihr macht nicht wieder enorme Rückschritte.
Überforderte Hunde, sind aufgeregte Hunde. Egal ob die Überforderung von der Außenwelt kommt, sprich von vielen Reizen und Impulsen. Oder ob die Überforderung durch dich und deine Forderungen kommt. Dein Hund braucht immer Zeit die erlebten Dinge zu verarbeiten. Gönne ihm ausreichend Ruhephasen.
Im ersten Teil des Blogartikels “Darum schießt dein Hund von 0 auf 100” habe ich unter anderem erklärt, dass nicht erfüllte Bedürfnisse schnell zu einem erhöhten Erregungslevel führen. Ein enorm wichtiges Bedürfnis für uns und auch für unsere Hunde ist das Bedürfnis Sicherheit. Ist dieses nicht erfüllt, wird es schnell wuselig in eurem Alltag.
KEIN SCHUTZ
Folgende Situation sehe ich Tag für Tag. Hunde werden von fremden Menschen angesprochen und finden das in den meisten Fällen sehr sehr doof. Die fremden Menschen gehen mit weit aufgerissenen Augen, in gebückter Körperhaltung, direkt und frontal auf deinen Hund zu.
Und was machst du? Siehst du dabei zu oder gehst du dazwischen?
Die meisten Menschen lassen diese Situation einfach geschehen, weil sie dem fremden Menschen nicht vor den Kopf stoßen wollen. Aber was ist denn mit deinem Hund? Den lässt du dabei im Regen stehen. Er ist in dieser Situation sich selbst überlassen und muss dann entscheiden, wie er mit dieser fremden Person umgeht. Aushalten? Zurückweichen oder doch nach vorn gehen und lospöbeln?
Entscheidet sich dein Hund dann noch für Letzteres, bekommt er meist noch von seinem Menschen eins auf den Deckel. Dabei war er nur unsicher, dabei hat er nur für sich eingestanden und kommuniziert, dass er das gerade so nicht möchte.
Fazit: Beobachte deinen Hund und lass ihn in solchen Situationen nicht allein mit der Entscheidung, wie er damit umgehen soll. Steh für ihn ein, wenn du merkst, ihm ist das unangenehm. So gewinnt er Vertrauen. So lernt er, dass er bei dir Schutz erhält. So bleibt er in solchen Situationen souveräner, gelassener und ruhiger, weil er weiß, dass du dich kümmerst.
KEINE KLARE ANSAGEN
Auch bei Hundebegegnungen brauchen unsere Hunde ganz klare Ansagen. Warum? Hundebegegnungen sind für viele Hunde sehr aufregend. Die Hintergründe habe ich einem letzten Blogbeitrag “Hundebegegnung ist dein Thema?” schonmal erklärt. Schau doch da gern nochmal rein.
Wenn dein Hund nicht weiß, was er tun oder lassen soll, weil du die Situation einfach geschehen lässt, weil du nix vorgibst, dann steht deine Fellschnute wieder mit der Entscheidung, wie er mit der Situation umgehen soll, alleine da. Das Aufregungsniveau geht wieder einmal hinauf. Dein Hund wird vielleicht unsicher, weil er plötzlich die große Aufgabe hat die Führung zu übernehmen. Soll er sich der Situation stellen? Soll er dem entgehen? Wie soll er sich entscheiden? Alles Punkte, die für deinen Hund einfacher wären, wenn du dies entscheidest.
Wenn du deinem Hund sagst, was er tun soll, dann kann er die Verantwortung für die Situation besser an dich abgeben. Wenn du die Situation kontrollierst, und dazu gehört auch deinem Hund zu sagen, was in Ordnung ist und was nicht, dann bietet das deinem Hund Sicherheit.
Im Übrigen: Nicht nur in einer Hundebegegnung. Hunde brauchen ganz ganz viele klare Ansagen von uns Menschen, damit sie etwas haben, woran sie sich festhalten können. Damit sie etwas haben, was ihnen Sicherheit gibt.
Fazit: Nimm deinem Hund ganz ganz oft im Alltag Entscheidungen ab, denn Hunde sind nicht gut im Entscheidungen treffen. Dann kann dein Hund abschalten und muss nicht mehr aus Angst und Unsicherheit hochfahren.
Hunde sind Tiere, die in unserer Welt viel Schutz brauchen, damit es ihnen gut geht. Ich habe bis jetzt nur ein paar wenige Hunde kennengelernt, die so souverän, sicher und entspannt waren, dass wir sie nicht “beschützen” brauchen. Dazu gehört der Schutz vor äußeren Einflüssen und genauso der Schutz durch Verantwortungsübernahme.
Deinen Hund mehr Ruhe und Entspannung zu vermitteln, kann ein komplexes Thema sein. Je nachdem wo im Alltag Themen auftauchen, die deinen Hund hochfahren lassen. Immer steckt ein Gefühl dahinter. Irgendetwas, was deinen Hund aufzwirbelt. Dieses gilt es herauszufinden, um am Ursprung für Aufgeregtheit und Hibbeligkeit anzusetzen.